Was bedeuten Mindestmengen und die Mindestmengenregelungen?

Bei diversen Behandlungen, Eingriffen oder Operationen gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, dass die Anzahl der von einem Arzt bzw. Krankenhaus durchgeführten Behandlungen mit der erzielten Qualität zusammenhängt. In der Regel wird die Qualität mit zunehmender Fallzahl besser, beispielsweise weil die Erfahrung des Arztes oder Behandlungsteams steigt.

Deshalb hat der Gesetzgeber vorgeschrieben, dass ein Krankenhaus bestimmte planbare Leistungen nur dann erbringen darf, wenn es dabei voraussichtlich bestimmte Mindestfallzahlen, also „Mindestmengen“ pro Kalenderjahr erreicht. Dabei sind einige Ausnahmen möglich, beispielsweise bei Notfällen oder aber, wenn ein Leistungsbereich neu in einem Krankenhaus aufgebaut wird. Auch die Krankenhausplanungsbehörde kann bei einer Gefährdung der flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung die Nichtanwendung der Mindestmengenregelung für bestimmte Leistungen bestimmen.

Hinter der gesetzgeberischen Idee der Mindestmenge steht das Ziel, besonders schwierige Eingriffe aus Gründen der Qualitätssicherung nur von solchen Kliniken durchführen zu lassen, deren Behandlungsteam damit ausreichend Erfahrung hat.

Für welche Leistungen Mindestmengenregelungen gelten und wie hoch jeweils die Mindestmenge ist, bestimmt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. Der G-BA ist das höchste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands.

Worauf sollten Patienten achten?

Bei Eingriffen, die den Mindestmengenregelungen unterliegen, geht es letztlich um die Erfahrung des Behandlungsteams mit einem Eingriff.

Dass die Mindestmengenregelungen eingehalten werden, bedeutet noch nicht zwingend große Erfahrung, denn es gibt einige Ausnahmeregelungen, die es Kliniken erlauben, die Mindestmengen zu unterschreiten.  

Wie hilft die Weisse Liste?

So können Patienten vorgehen:

  1. Behandlungsanlass und Ort wählen und Suche starten.
  2. Filter „Mindestmengenregelung eingehalten“ setzen. Das schließt Häuser aus, die die Regelung nicht einhalten oder keine Angabe gemacht haben.
  3. Nach Fallzahl sortieren. In der Regel zeigen sich dann deutliche Unterschiede. Wählen sie das Krankenhaus mit möglichst hoher Fallzahl.
  4. Zusätzlich können Patienten für die besonders häufigen Behandlungsanlässe den „Qualitätsfilter“ der Weissen Liste setzen. Dieser filtert nach mehreren qualitativen Mindestanforderungen gleichzeitig und grenzt die Liste geeigneter Krankenhäuser weiter ein.

Für welche Leistungsbereiche gelten welche Mindestmengen?

Stand: 28.05.2019. Eine stets aktuelle Liste finden Sie auf den Seiten des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) unter https://www.g-ba.de/richtlinien/5/

Mindestmenge

Leistungsbereich

50

Kniegelenk-Totalendoprothesen (Knie-TEP)

14

Versorgung von Früh- und Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm

10

komplexe Eingriffe am Organsystem Ösophagus (Speiseröhre)

10

komplexe Eingriffe am Organsystem Pankreas (Bauchspeicheldrüse)

25

Nierentransplantation (inkl. Lebendspende)

20

Lebertransplantation (inkl. Teilleber-Lebendspende)

25

Stammzelltransplantation

nicht festgelegt

koronarchirurgische Eingriffe

 

Wo finde ich weiterführende Informationen?

Ausführliche Erläuterungen, aktuelle Bestimmungen und gesetzliche Grundlagen finden Sie auf der Internetseite des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) unter

https://www.g-ba.de/themen/qualitaetssicherung/vorgaben-zur-qualitaetssicherung/vorgaben-mindestmengenregelungen/

Worauf beruht die Anzeige „Mindestmengenregelung erfüllt“ in der Profilansicht bzw. die Filtermöglichkeit „Mindestmengenregelung“?

Die Angabe „Mindestmengenregelung erfüllt“ in der Profilansicht des Krankenhauses (dort unter dem Stichwort „Mindestmenge“) sowie die dazugehörige Filterfunktion in der Krankenhaussuche beziehen sich auf die Angaben der Krankenhäuser im gesetzlich vorgeschriebenen „Qualitätsbericht“, dort im Teil C, in dem die Krankenhäuser bei Leistungen, die einer Mindestmengenregelung unterliegen, die erbrachte Fallzahl und ggf. Ausnahmetatbestände angeben.

Die Angabe „Mindestmengenregelung erfüllt“ wird ausgegeben, wenn

  • Angabe im C-Teil zur Fallzahl erreicht oder größer als die vorgeschriebene Mindestmenge ist, oder
  • die Angabe im C-Teil zur Fallzahl kleiner als die vorgeschriebene Mindestmenge ist und gleichzeitig ein Ausnahmetatbestand angegeben wurde.

Die Angabe „Mindestmengenregelung nicht erfüllt“ wird angezeigt, wenn die Angabe im C-Teil zur Fallzahl kleiner als die vorgeschriebene Mindestmenge ist und gleichzeitig kein Ausnahmetatbestand angegeben wurde.

Es erfolgt überhaupt kein Hinweis, wenn das Krankenhaus keine Angaben zu den Mindestmengen im C-Teil gemacht hat.

Die Filtermöglichkeit „Mindestmengenregelung“ arbeitet mit demselben Algorithmus. Bei Setzen des Filters werden Häuser aus der Ergebnisliste entfernt, die die Mindestmengenregelung nicht einhalten sowie solche, zu denen keine Angaben vorliegen.