Public Reporting: Transparenz über Gesundheitsanbieter erhöht Qualität der Versorgung

Berlin, 26.01.2016. Welche Wirkungen entfaltet die öffentliche Berichterstattung über die Qualität von Gesundheitsanbietern? Führt Transparenz zu mehr Qualität? Und was erwarten die Bürger? Das Projekt „Weisse Liste“ hat die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zum sogenannten Public Reporting analysiert und die Bevölkerung zu ihrer Einschätzung befragt. Das Ergebnis: Public Reporting wirkt – über verschiedene Hebel.

91 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, dass Ärzte, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen per Gesetz verpflichtet werden, ihre Qualität verständlich offen zu legen. 54 Prozent der Bürger erkennen Qualitätsunterschiede zwischen den Gesundheitsanbietern und 86 Prozent glauben, dass die Offenlegung der Qualität diese anspornt, sich stetig zu verbessern. Das geht aus einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Projekts „Weisse Liste“ der Bertelsmann Stiftung hervor. Das Projekt hat sich in einer Analyse mit den Wirkungen der öffentlichen Qualitätsberichterstattung zu Gesundheitsanbietern auseinandergesetzt – und neben der Bevölkerungsbefragung die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum sogenannten Public Reporting  ausgewertet.

Qualitätswettbewerb als unterschätzte Wirkung

Demnach ist der Qualitätswettbewerb zwischen den Gesundheitsanbietern eine zentrale Wirkung der öffentlichen Berichterstattung. „Die Veröffentlichung von Qualitätsdaten hilft nicht nur Patienten bei ihren Wahlentscheidungen, sie sorgt auch dafür, dass die Anbieter verstärkt an Qualitätsverbesserungen arbeiten“, so Uwe Schwenk, Programmdirektor der Bertelsmann Stiftung und ein Autor der Analyse. Dieser Aspekt werde in der öffentlichen Diskussion um das Public Reporting häufig übersehen. „Schon relativ wenige Patienten und Ärzte, die Qualitätsdaten nutzen, erhöhen den Druck auf die Gesundheitsanbieter, mögliche Schwachstellen zu identifizieren und zu bearbeiten. Unsere Befragung zeigt: Für diese Wirkung haben offenbar  auch die Bürger ein gutes Gespür“, sagt Schwenk.

Eine zweite Wirkrichtung betrifft diejenigen Akteure, die für die Gestaltung und Steuerung der Versorgung zuständig sind. Sie können durch die Veröffentlichung bei ihrer Steuerungsaufgabe auf gesicherte Daten zugreifen – ein Aspekt, den auch die Bürger sehen: So sagen 73 Prozent, dass die öffentliche Qualitätsberichterstattung Krankenkassen und Behörden helfe, Gesundheitsanbieter zu kontrollieren.

Qualitätsinformationen: Patienten revidieren Entscheidungen

Nicht zuletzt kann das Public Reporting den Patienten selbst bei der Suche nach einem geeigneten Gesundheitsanbieter helfen – auch wenn heute noch weniger Menschen auf im Internet veröffentlichte Qualitätsinformationen zurückgreifen als der Anteil derer vermuten ließe, die sich einen Nutzen davon versprechen (81 Prozent). Eine im Zuge der Analyse ebenfalls durchgeführte Befragung unter rund 1400 Nutzern des Portals www.weisse-liste.de zeigt, dass 80 Prozent der Nutzer die Informationen zu Ärzten, Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen hilfreich finden und immerhin  21 Prozent sagen, sie hätten ihre ursprüngliche Entscheidung für einen Anbieter durch das Informationsangebot überdacht.

Das Projekt „Weisse Liste“ hat auf Basis der Analyse, die in Form eines SPOTLIGHT GESUNDHEIT veröffentlicht wurde, ein Wirkungsmodell für Public Reporting entwickelt und regt an, den Blick auf die verschiedenen Wirkrichtungen zu weiten und diese systematisch zu erforschen. Die Qualitätsberichterstattung müsse planvoll weiterentwickelt werden. Wichtig sei es, die Transparenz vom Nutzer her zu denken. Ziel müsse es sein, dass künftig mehr Ärzte, Patienten und Institutionen die Informationen für Entscheidungen nutzen können, sowohl mit Blick auf ihre Aussagekraft als auch auf ihre Verständlichkeit.

SPOTLIGHT GESUNDHEIT zum Thema "Public Reporting".