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Nutzt Männern eine PSA-Bestimmung zur Früherkennung von Prostatakrebs?

Hier finden Sie wissenschaftlich gesicherte Fakten für Ihre Entscheidung.

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PSA-Test: Nutzen in der Früherkennung ist nicht belegt

Bei einem PSA-Test wird die Menge des "Prostata-spezifische Antigen" (PSA) im Blut untersucht. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten, hat aber häufig andere Ursachen. Weitere Untersuchungen müssen dann folgen, um Klarheit zu erlangen. Studien zeigen, dass der Nutzen regelmäßiger PSA-Tests bei gesunden Männern nicht belegt werden kann. Möglicherweise wird man jedoch bei einem positiven Testergebnis weiter behandelt, ohne dies eigentlich zu brauchen. Und auch ein "normaler" PSA-Wert bietet keine dauerhafte Gewähr, dass nicht doch ein Krebsknoten heranwächst. Zudem werden einige Männer möglicherweise zu Krebspatienten, die ohne den Test von ihrer Erkrankung nie etwas gespürt hätten.

Vor der Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test sollten Männer gut informiert sein, was auf sie zukommen kann.

Bitte beachten Sie: Diese Faktenbox wird derzeit überarbeitet, da eine der einbezogenen Studien in der Kritik steht. Um Nutzern mit speziellen Fragen zum Thema Krebs weiterhelfen zu können, kooperiert die Weisse Liste mit dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Der Krebsinformationsdienst stellt auf seinen Internetseiten weiterführende Informationen zur Studienlage bei Prostatakrebs – Früherkennung zur Verfügung, die Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen sollten.

Nutzen des PSA-Tests zur Krebsfrüherkennung

1. Wie viele Männer sind innerhalb von 11 Jahren insgesamt gestorben und wie viele davon an Prostatakrebs?

Grafik Rrostatakrebs-Frueherkennung
In beiden Gruppen (ohne und mit Früherkennung) sterben innerhalb von 11 Jahren gleich viele Männer. Auch die Zahl der an Prostatakrebs verstorbenen Männer ist gleich hoch.

Risiken des PSA-Test zur Krebsfrüherkennung

1. Wie viele Männer haben nach einer Gewebeentnahme (Biopsie) erfahren, dass ihr PSA-Test falsch-positiv war?

 Grafik Prostatakrebs-Frueherkennung

2. Wie viele Männer erhielten fälschlicherweise die Diagnose Prostatakrebs und wurden behandelt (z.B. operative Entfernung der Prostata oder Strahlentherapie-Behandlungen, die zu Inkontinenz oder Impotenz führen können)?

Grafik Prostatakrebs-Frueherkennung

Erklärende Informationen zum Verständnis der Grafiken

Die Zahlen beziehen sich auf Männer ab 50 Jahre. Im Vergleich: Männer, die nicht an einer Früherkennung teilgenommen haben und Männer, die eine Früherkennung gemacht haben.

Was ist ein falsch-positives Ergebnis?
Es vermittelt den Patienten, dass sie an Prostatakrebs erkrankt sein könnten, obwohl das nicht der Fall ist. Diese Patienten müssen manchmal Monate mit der Ungewissheit leben, ob sie tatsächlich Prostatakrebs haben oder nicht, und sich weiteren diagnostischen Tests unterziehen, bis Entwarnung gegeben wird.


Arztsuche mit Schwerpunkt "Hausarzt/Hausärztin"

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm sieht in Deutschland für Männer ab 45 einmal jährlich eine Prostatauntersuchung vor. Ansprechpartner sind Hausärzte und Fachärzte: Allgemeinmediziner und hausärztlich tätige Internisten führen die Untersuchung entweder selbst durch oder sie überweisen zu einem Urologen.


Weitere Informationen zum Thema PSA-Test zur Krebsfrüherkennung

Was ist das Ziel der Prostatakrebs-Früherkennung?

Das Ziel ist, die Krebssterblichkeit zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. Dabei richtet sich die Früherkennung an Männer, die keine offensichtlichen Symptome haben. Durch die Untersuchungen soll die Krankheit früher erkannt und eine frühzeitige, effektivere oder sichere Behandlung ermöglicht werden.

Wie wird die Prostatakrebs-Früherkennung durchgeführt?

Die Prostatakrebs-Früherkennung besteht aus einem Bluttest zur Messung des prostataspezifischen Antigens (PSA) und einer Tastuntersuchung der Prostata.

Für wen kommt eine Prostata-Früherkennung in Frage?

Für Männer ab 50 Jahre sowie Männer ab 40 Jahre, in deren Familien Fälle von Prostatakrebs bekannt sind. Allerdings empfehlen aktualisierte medizinische Leitfäden der klinischen Praxis die Früherkennung von Prostatakrebs mit Hilfe des PSA-Tests nicht. Andere klinische Praxis-Leitfäden empfehlen, dass Männer den etwaigen Nutzen und mögliche Risiken gegeneinander abwägen sollten, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Können Männer sich den PSA-Test sparen?

Prostatakrebs-Früherkennung: Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen erläutert, ob sich die kostenpflichtige Zusatzuntersuchung (PSA-Test) für Männer lohnt oder nicht.

Was sollte noch beachtet werden?

Früherkennungsmaßnahmen schützen nicht vor dem Ausbruch der Krankheit. Sie verfolgen das Ziel, einen Prostatakrebs früher zu entdecken und zu behandeln.

Studienergebnisse zeigen jedoch, dass durch die Prostatakrebs-Früherkennung die Anzahl an Todesfällen durch Prostatakrebs nicht reduziert wird. Ein erhöhter PSA-Wert kann zwar auf Prostatakrebs hindeuten, kann aber auch durch verschiedene andere Gründe hervorgerufen werden (z. B. durch eine gutartige Prostatavergrößerung oder eine Prostataentzündung).

Welche weiterführenden Informationen können noch helfen?

Weitere Informationen rund um das Thema Prostatakrebs, etwa welche Faktoren das Krebsrisiko erhöhen können oder welche Beschwerden erste Hinweise auf eine Erkrankung geben, finden Sie unter gesunheitsinformation.de - ein Angebot des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).


Über diese Faktenbox

Quellen

[1] Ilic et al. (2013) Cochrane Database of Systematic Reviews, Art. No.:CD004720. Bitte beachten Sie: Das Review wird derzeit überarbeitet, da eine der einbezogenen Studien in der Kritik steht.

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut erstellt.

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2016
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