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Kann palliative Versorgung die Lebensqualität am Lebensende verbessern?

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Palliative Versorgung erhöht die Lebensqualität von Schwerstkranken

Palliativversorgung begleitet schwerstkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase (palliative Versorgung zu Hause). Ziel ist es, körperliche und psychosoziale Beschwerden zu verringern und die Lebensqualität bestmöglich aufrechtzuerhalten. Dabei werden belastende Behandlungen vermieden und die Patienten auch seelsorgerisch betreut.

Patienten, die an Lungenkrebs erkrankten und zusätzlich zu der üblichen Krebsbehandlung eine frühzeitige palliative Versorgung erhielten, gaben in einer Studie eine höhere Lebensqualität an als Patienten, die nur die übliche Krebsbehandlung (ohne palliative Betreuung) erhielten. Zudem zeigt sich, dass Menschen, die nach der Diagnose Lungenkrebs palliativ versorgt werden, seltener an Depressionen erkranken.

Nutzen einer palliativen Versorgung nach Lungenkrebsdiagnose

1. Wie viele Patienten litten 12 Wochen nach der Diagnose einer Lungenkrebserkrankung an Depressionen?

Grafik Palliative Versorgung nach Lungenkrebsdiagnose
Bei Patienten mit Lungenkrebs, die zusätzlich palliativ versorgt wurden, wurde seltener eine Depression diagnostiziert als bei Patienten mit üblicher Krebsbehandlung.

Erklärende Informationen zum Verständnis der Grafik

Die Grafik zeigt, wie viele Patienten 12 Wochen nach der Diagnose Lungenkrebs an einer Depression erkrankten. Dabei wird unterschieden, ob sie eine palliative Versorgung erhielten oder nicht. In der Studie wurden 57 Patienten nach der Lungenkrebsdiagnose zusätzlich palliativ versorgt, 47 Patienten erhielten lediglich die Krebsbehandlung. In der Grafik werden die Angaben auf 100 Personen umgerechnet.

2. Inwiefern unterscheidet sich die Lebensqualität von Patienten mit zusätzlicher palliativer Versorgung von der bei Patienten mit üblicher Krebsbehandlung?

Grafik Palliative Versorgung nach Lungenkrebsdiagnose
Bewertung der empfundenen Lebensqualität auf einer Skala von 0 (niedrige Lebensqualität) bis 136 (hohe Lebensqualität)

Patienten mit Lungenkrebs, die zusätzlich zu der üblichen Krebsbehandlung eine frühzeitige palliative Versorgung erhielten, gaben eine höhere Lebensqualität an als Patienten, die nur eine übliche Krebsbehandlung erhielten. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde mit einem Fragebogen namens Functional Assessment of CancerTherapy – Lung (FACT-L) erhoben. Es können zwischen 0 und 136 Punkte erreicht werden. Je mehr Punkte erreicht werden, desto höher ist die empfundene gesundheitsbezogene Lebensqualität eines Patienten.

3. Wie viele Patienten erhielten aggressive Therapien an ihrem Lebensende?

Grafik Palliative Versorgungn nach Lungenkrebsdiagnose

Von den Patienten, die zusätzlich zu einer üblichen Krebsbehandlung eine palliative Versorgung erhielten, bekam ein geringerer Anteil aggressive Therapien an ihrem Lebensende als Patienten, die nur eine übliche Krebsbehandlung erhielten. Unter einer aggressiven Therapie wurde eine Chemotherapie in den 14 letzten Lebenstagen, die Verlegung in ein Hospiz höchstens drei Tage vor dem Tod oder gar keine Hospizbetreuung verstanden.

4. Wie ist die Überlebenszeit der Patienten?

Grafik Palliative Versorgungn nach Lungenkrebsdiagnose
*Die mediane Überlebenszeit bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem die Hälfte der Patienten einer Gruppe, die eine bestimmte Behandlung erhielten, verstorben ist. Sie bezieht sich auf den Zeitraum vom Studienbeginn bis zum Tod.

Patienten, die zusätzlich zu einer üblichen Krebsbehandlung eine palliative Versorgung erhielten, lebten nach Beginn der Studie länger als Patienten mit einer üblichen Krebsbehandlung.

5. Wie häufig wurden die Wünsche eines Patienten bezüglich Wiederbelebungsmaßnahmen dokumentiert?

Grafik Palliative Versorgungn nach Lungenkrebsdiagnose

Bei Patienten mit einer zusätzlichen palliativen Versorgung wurden Wünsche hinsichtlich Wiederbelebungsmaßnahmen häufiger dokumentiert als bei Patienten, die lediglich die übliche Krebsbehandlung erhielten.


Risiken einer palliativen Versorgung nach Lungenkrebsdiagnose

Es liegen keine belastbaren Daten vor.


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Weitere Angebote zur Palliativversorgung in Ihrer Region finden Sie im Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.


Weitere Informationen zum Thema palliative Versorgung nach Lungenkrebsdiagnose

Was ist das Ziel einer palliativen Versorgung?

Palliative Versorgung hilft Patienten, die aufgrund einer weit fortgeschrittenen Krankheit eine begrenzte Lebenserwartung haben, sowie deren Angehörigen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Verbesserung oder Erhaltung der Lebensqualität. Beschwerden körperlicher und psychosozialer Art sollen verringert und Leiden gelindert werden. Dazu gehören bei Patienten mit Lungenkrebs im Endstadium beispielsweise eine wirksame Schmerztherapie und eine symptomatische Behandlung von Husten, Atemnot und Müdigkeit.

Die palliative Versorgung sollte frühzeitig einsetzen und in der gewohnten Umgebung umfassend unterstützen. Wenn dies nicht mehr möglich ist, kann die Palliativversorgung auch stationär erfolgen.

Für wen kommt eine palliative Versorgung in Frage?

Eine palliative Versorgung kommt für Patienten infrage, die sich Unterstützung oder Begleitung in einem fortschreitenden, unheilbaren Krankheitsprozess wünschen. Die Lebenserwartung der Patienten beträgt in der Regel weniger als 6 Monate, kann aber auch bis zu 24 Monate betragen.

Was empfehlen aktuelle medizinische Leitlinien?

Verschiedene medizinische Leitlinien empfehlen palliative Versorgung und vorausschauende Versorgungsplanung für schwerstkranke und sterbende Patienten. Im Zuge einer vorausschauenden Versorgungsplanung werden die Behandlungswünsche eines Patienten und seiner Angehörigen für seine letzte Lebensphase herausgearbeitet und in einem Versorgungsplan festgehalten. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Behandlungswünsche bei der palliativen Versorgung bestmöglich umgesetzt werden können. Als schriftliche Dokumente können in diesem Rahmen z. B. eine Patientenverfügung, eine Vorsorgevollmacht oder ein Notfallbogen erstellt werden.

Welche weiterführenden Informationen können noch helfen?

Welche Formen der Palliativversorgung gibt es? Worin unterscheidet sich eine Allgemeine ambulante Palliativversorgung von einer Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie auf unserer Serviceseite "Versorgung am Lebensende".


Über diese Faktenbox

Quellen

Temel, J. S., Greer, J. A., Muzikansky, A., Gallagher, E. R., Admane, S. M., Jackson, V. A., . . . Lynch, T. J. (2010). Early palliative care for patients with metastatic non-small-cell lung cancer. The New England Journal of Medicine, 363(8), 733-742. doi: 10.1056/NEJMoa1000678

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung erstellt.

Zuletzt aktualisiert: August 2015
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