Titelbild Arzt

Immer wiederkehrende Mandelentzündungen bei Kindern - operieren oder warten?

Hier finden Sie wissenschaftlich gesicherte Fakten für Ihre Entscheidung.

Faktenbox herunterladen (PDF)

Oft werden Halsentzündungen mit den Jahren auch ohne Operation seltener

Treten schwerere Mandelentzündungen bei Kindern häufig oder über Jahre immer wieder auf, stehen Eltern und Ärzte vor einer wichtigen Frage: Operieren oder abwarten und sorgfältig beobachten? Die Entscheidung zu einer Operation, also die vollständige Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie), sollte genau bedacht sein. Bei Kindern mit stärkeren Beschwerden kann ein Eingriff am ehesten dazu beitragen, dass Halsentzündungen nachlassen. Aber auch sie haben im Folgejahr nach der Operation im Durchschnitt 18 Tage Halsentzündungen.

Daneben bringt eine Operation Risiken mit sich: Bei 2 bis 5 von 100 operierten Kindern treten Nachblutungen auf. Informieren Sie sich und sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um gemeinsam die beste Entscheidung für Ihr Kind zu treffen.

Nutzen einer vollständigen Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie)

1. Wie viele mittelschwere bis schwere Mandel- oder Halsentzündungen hatten die Kinder?

Im ersten Jahr nach einer Mandeloperation hatten Kinder durchschnittlich dreimal über mehrere Tage Halsschmerzen. Allerdings war eine dieser Halsentzündungen durch den Eingriff bedingt. Kinder, die nicht operiert wurden, hatten im selben Zeitraum im Schnitt viermal Halsschmerzen. Die Operation konnte also im Folgejahr im Durchschnitt einmal Halsschmerzen vorbeugen.

2. Wie viele Tage litten die Kinder innerhalb von 12 Monaten an durch Mandelentzündungen bedingten Halsschmerzen?

Grafik Tonsillektomie
Kinder, denen die Mandeln entfernt wurden, litten 10 Tage weniger im Jahr an Halsentzündungen und Schmerzen als Kinder ohne Operation.

Risiken einer vollständigen Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie)

Innerhalb von 28 Tagen nach der Operation

1. Wie viele Kinder litten an (Nach-)Blutungen als Folge der Operation?

Grafik Tonsillektomie

2. Welche anderen Risiken können bei der Operation auftreten?

  • Die Mandelentfernung bei Kindern wird im Krankenhaus unter Vollnarkose durchgeführt und birgt entsprechende Narkose-Risiken.
  • Nach der Operation treten oft Schluckschmerzen sowie gelegentlich Übelkeit und Erbrechen auf. Die Wundschmerzen lassen meist nach ein paar Tagen nach.
  • Bei kleinen Kindern, die aufgrund der Schluckbeschwerden ungern trinken und essen, kann ein Flüssigkeitsmangel eintreten.

Erklärende Informationen zum Verständnis der Grafiken

Die Zahlen sind Durchschnittswerte von Kindern im Alter zwischen 2-15 Jahren, die an wiederkehrenden Hals- oder Mandelentzündungen litten. Eine Patientengruppe unterzog sich einer Tonsillektomie (OP), die Vergleichsgruppe hatte keine Tonsillektomie (keine OP).  

Die Ergebnisse beziehen sich auf einen Zeitraum von 12 Monaten nach der OP. Belastbare Erkenntnisse sind nur für diesen Zeitraum vorhanden.

Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet. Sie basieren auf fünf Studien mit knapp 987 Teilnehmern.


Arztsuche mit Schwerpunkt "Hausarzt/Hausärztin"


Weitere Informationen zum Thema Tonsillektomie bei Mandelentzündungen

Was ist eine akute Tonsillektomie?

Eine Tonsillektomie ist eine Operation, bei der die Mandeln chirurgisch vollständig entfernt werden. Die Entfernung der Gaumenmandeln ist die häufigste vollstationäre Operation bei Kindern in Deutschland.

Für wen kommt eine Tonsillektomie in Frage?

Eine Tonsillektomie kommt für Kinder in Frage, die unter wiederkehrenden mittelschweren bis schweren Mandelentzündungen leiden. Sie ist eine therapeutische Möglichkeit, wenn nachweislich mindestens sechs Mandelentzündungen innerhalb eines Jahres auftreten.

Was ist bei der Entscheidung für eine Tonsillektomie noch zu beachten?

Die Entscheidung für eine Entfernung der Mandeln sollte sehr genau bedacht sein. Zum einen zeigen die Untersuchungen, dass nur bei Kindern mit stärkeren Beschwerden eine Operation Vorteile bringt. Zum anderen ist der chirurgische Eingriff auch mit Risiken verbunden.

Ob die Mandelentfernung für Ihr Kind richtig ist, hängt auch von Ihrer persönlichen Situation ab. Sie sollten die Entscheidung deshalb gemeinsam mit dem Arzt treffen.

Welche anderen Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Zur Wahl stehen nicht-operative Behandlungen. Diese umfassen die Einnahme von Kurzzeit- oder Langzeit-Antibiotika oder Schmerzmitteln (Analgetika). Es kann auch gar keine Behandlung erfolgen, wenn Arzt und Patient den Nutzen der Behandlungsoptionen als zu gering erachten. Alternativ kann auch eine Teilentfernung der Gaumenmandeln in Betracht kommen

Welche weiterführenden Informationen können noch helfen?

Weitere Informationen zum Thema Mandelentfernung bei Kindern finden Sie auf gesundheitsinformation.de – ein Angebot des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

In der Leitlinie – Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis (S2k-Leitlinie) sind weitere detaillierte Informationen zusammengestellt.


Tipps für das Arztgespräch bei Mandelentzündungen

Eine Mandeloperation bei Kindern und Jugendlichen will gut überlegt sein. Die Checkliste für das Arztgespräch bei Mandelentzündungen enthält wichtige Tipps und Fragen.


Über diese Faktenbox

Quellen

[1] Windfuhr JP. Evidenz basierte Indikationen der Tonsillektomie. Laryngo-Rhino-Otol 2016;95(S 01):38-87. doi: 10.1055/s-0041-109590. [2] Burton MJ, Glasziou PP, Chong LY, et al. Tonsillectomy or adenotonsillectomy versus non-surgical treatment for chronic/recurrent acute tonsillitis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014(11):CD001802. doi: 10.1002/14651858.CD001802.pub3.

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut erstellt.

Zuletzt aktualisiert: Dezember 2016
u70
u70