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Ist ein Kniegelenkersatz bei Arthrose sinnvoll?

Hier finden Sie wissenschaftlich gesicherte Fakten für Ihre Entscheidung.

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Patienten und Ärzte bewerten den Nutzen der OP überwiegend positiv

Das operative Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks ist eine große Operation mit entsprechenden Risiken und Einschränkungen in den Wochen danach. Studien zeigen, dass die überwiegende Anzahl der Patienten die Ergebnisse positiv bewerten. Jedoch können nicht alle Patienten danach besser laufen. Einige haben auch weiterhin Schmerzen. Auch litten einige unter Komplikationen und 5 von 100 Patienten müssen nochmals operiert werden. Die meisten künstlichen Kniegelenke halten etwa 15 Jahre, viele auch länger.

Eine Operation wird normalerweise erst in Betracht gezogen, wenn vorher andere Therapieoptionen, zum  Beispiel Gewichtsreduktion, Physiotherapie, Schmerzbehandlungen oder Injektionen nicht geholfen haben.

Nutzen einer Kniegelenkersatz-Operation bei Arthrose

1. Wie bewerten Ärzte und Patienten den Nutzen der Operation?

Grafik Kniegelenkersatz bei Arthrose
Bewertung von Funktionalität des Knies und Schmerz auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 100 (sehr gut)

2. Wie viele Patienten sehen eine Verbesserung (innerhalb von 5 Jahren)?

Grafik Kniegelenkersatz

Risiken einer Kniegelenkersatz-Operation bei Arthrose

1. Wie oft gibt es Komplikationen (innerhalb von 6 Monaten)?

Grafik Kniegelenkersatz

2. Wie oft ist eine weitere Operation nötig (innerhalb von 10 Jahren)?

Grafik Kniegelenkersatz

Erklärende Informationen zum Verständnis der Grafiken

Die Zahlen in den Grafiken sind durchschnittliche Bewertungen des Schmerzniveaus und der Funktionalität vor und nach dem Einsetzen von Gesamtknieprothesen bei Arthrose oder anderen nichttraumatischen Erkrankungen, abgegeben von Patienten und ihren Ärzten. Die Ergebnisse wurden meist 4 Jahre nach der Operation erfasst.

Bitte beachten Sie, dass die angegebenen Zahlen keine endgültige Bewertung sind, sondern die Größenordnung der Effekte auf Grund der besten derzeit verfügbaren Evidenz darstellen. Gleichzeitiges, beidseitiges Einsetzen von Gesamtknieprothesen kann das Risiko für Komplikationen erhöhen.


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Weitere Informationen zum Thema Kniegelenkersatz bei Arthrose

Was passiert beim Kniegelenkersatz?

Beim Einsetzen einer Gesamtknieprothese wird die beschädigte Oberfläche des Kniegelenks durch eine neue glattere Oberfläche aus Plastik oder Metall ersetzt. Die Operation selbst dauert einige Stunden, danach dauert es etwa sechs Wochen bis die Patienten sich erholt haben und zu ihren normalen Aktivitäten zurückkehren können.

Für wen kommt ein Kniegelenkersatz infrage?

Erwachsene, die auf Grund von Arthrose unter starken Schmerzen und Gelenksbeschwerden leiden.

Mehr künstliche Kniegelenke für Reiche?

Ob man ein neues Kniegelenk eingesetzt bekommt, hängt nicht davon ab, ob es schmerzt, sondern wo man wohnt. Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen erklärt für den Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung, warum in wohlhabenden Gegenden häufiger künstliche Kniegelenke eingesetzt werden.

Was wird in den entsprechenden Leitlinien empfohlen?

Das Einsetzen von Gesamtknieprothesen wird für Erwachsene empfohlen, deren Gelenkschmerzen und Gelenkbeschwerden sie in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigen und die zuvor andere Möglichkeiten zur Schmerzbehandlung über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten ausprobiert haben.

Welche anderen Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Nicht-operative Behandlungen, darunter Veränderung des Lebensstils (z. Bsp. Sport, Gewichtsabnahme), äußerliche Behandlungen (zum Beispiel Physiotherapie), medikamentöse Behandlungen und Steroidinjektionen.


Tipps für das Arztgespräch vor einer Knieoperation

Vor einem operativen Eingriff am Knie sollten Patient und Arzt Nutzen und Risiken abwägen. Unsere Checkliste hilft bei der Vorbereitung auf das Arztgespräch.


Über diese Faktenbox

Quellen

[1] Kane, R.L., et al., The functional outcomes of total knee arthroplasty. J Bone Joint Surg Am, 2005. 87(8): p. 1719-24. [2] Callahan, C.M., et al., Patient outcomes following tricompartmental total knee replacement. A meta-analysis. JAMA, 1994. 271(17): p. 1349-57. [3] Restrepo C. et al, Safety of simultaneous bilateral total knee arthroplasty. A meta-analysis. J Bone Joint Surg Am. 2007, 89(6):1220-1226. [4] Swedish Knee Arthroplasty Register. Annual report 2010. Lund: Swedish Knee Arthroplasty Register, 2010. [5] Australian Orthopaedic Association National Joint Replacement Registry. Hip and knee arthroplasty: annual report 2010. Adelaide: Australian Orthopaedic Association National Joint Replacement Registry, 2010. [6] National Collaborating Centre for Chronic Conditions, Osteoarthritis: National clinical guideline for care and management in adults. 2008, London: Royal College of Physicians of London.

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut erstellt.

Zuletzt aktualisiert: Oktober 2015
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