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Helfen Therapien bei Depressionen?

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Psychotherapie hilft Betroffenen meist langfristig

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Depression zu behandeln. Studien zeigen, dass bei Patienten mit einer mittelgradigen Depressionen sowohl eine Verhaltenstherapie als auch die Einnahme von Antidepressiva (Medikament) wirksam sind: Bei beiden Behandlungen können die Symptome der Erkrankung wie gedrückte Stimmung, Interessenverlust, erhöhte Ermüdbarkeit komplett zurückgehen.

Psychotherapie hilft im Vergleich zur medikamentösen Behandlung langfristiger. Betroffene, die eine Psychotherapie durchgeführt haben, erkranken seltener erneut. Jedoch braucht eine Psychotherapie Zeit und Energie und die Wirkung tritt meist erst nach 8-10 Wochen ein.

Sport und Bewegung können das Wohlbefinden unterstützen. Bei einer schweren Depression ist meist oft eine Kombination aus Psychotherapie und Antidepressiva sinnvoll.

Gerade Menschen mit Depressionen haben oft Schwierigkeiten, sich überhaupt zu überwinden und nach einem Arzt oder Therapeuten zu suchen. Die – oft nicht einfache – Suche nach einem Arzt oder Therapeuten kann eine erste Hürde sein. Wir möchten Ihnen hier Mut machen, dies trotzdem zu versuchen.

Nutzen und Vorteile einer Psychotherapie bei Depressionen

1. Bei wie vielen Patienten, die die Behandlung zu Ende geführt haben, haben die Erkankungssymptome nachgelassen?

Grafik Psychotherapie bei Depressionen
In 16 internationalen Studien haben depressive Patienten (meist mit mittelgradigen Depressionen) entweder Verhaltenstherapie oder eine Behandlung mit Antidepressiva erhalten. Die Behandlung dauerte 8 bis 26 Wochen.

Sowohl Verhaltenstherapie als auch Antidepressiva sind wirksam:
Bei beiden Behandlungen sind die Symptome wie zum Beispiel gedrückte Stimmung, Interessenverlust, erhöhte Ermüdbarkeit bei ca. der Hälfte der Patienten komplett zurückgegangen.

2. Wie viele Patienten blieben nach Abschluss der Behandlung ohne Rückfall?

Grafik Psychotherapie bei Depressionen
Die Patienten wurden sechs Monate bis zwei Jahre nach der Beendigung einer 8- bis 20-wöchigen Behandlung befragt.

Psychotherapie hilft langfristig: Im Vergleich zur medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva erkranken Betroffene nach Ende einer Psychotherapie seltener wieder.


Risiken und Nachteile einer Psychotherapie bei Depressionen

  • Die Wirkung tritt erst nach ungefähr acht bis zehn Wochen ein.
  • Psychotherapie beansprucht Zeit und Energie (wöchentliche Termine, eigene Mitarbeit).
  • Manchmal werden Sie mit Sichtweisen auf das eigene Leben konfrontiert, die zunächst unangenehm sein können. Es kann daher vorkommen, dass sich die Beschwerden vorübergehend verschlimmern.
  • Oft haben Psychotherapeuten lange Wartezeiten, sodass die Behandlung nicht sofort begonnen werden kann. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Oft müssen Sie mehrere Therapeuten anrufen, bevor Sie einen Platz finden.

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Weitere Informationen zum Thema Psychotherapie bei Despressionen

Was passiert bei einer psychotherapeutischen Behandlung?

Bei einer Psychotherapie finden regelmäßig Einzel- oder Gruppengespräche, meist wöchentlich, mit einem Psychotherapeuten statt. Eine Psychotherapie hilft, sich selbst besser zu verstehen. Eigene Stärken können erkannt und aufgebaut werden und Behandlungsmethoden und Ziele individuell gestaltet werden. Auch Entspannungstechniken oder Verhaltensübungen können eingesetzt werden.

Für wen kommt eine Psychotherapie infrage?

Der Nutzen von Psychotherapie allein (ohne Medikamente) ist vor allem für Patienten mit leichten und mittelgradigen Depressionen belegt. Bei schwer ausgeprägten Symptomen ist die psychotherapeutische Behandlung allein oft nicht ausreichend. Eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten zeigt dann eine bessere Wirkung.

Welche Therapieformen gibt es?

Es gibt verschiedene Psychotherapieverfahren. Die Kosten werden von den Krankenkassen für Verhaltenstherapie, Psychoanalytische Therapie und Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie übernommen.

Welche Therapieform hilft?

Alle von den Krankenkassen bezahlten Verfahren können bei Depressionen wirksam sein. Die meisten Untersuchungen zur Wirksamkeit gibt es bei der Verhaltenstherapie, die wenigsten zur Psychoanalytischen Therapie.

Welche Therapieform zum Einsatz kommt, hängt von den Problembereichen und Vorlieben des Patienten ab und den Methoden, die der Therapeut anbietet.

Eine wichtige Voraussetzung einer Psychotherapie ist – unabhängig vom Verfahren – das Vertrauen zwischen Patient und Therapeut. Es hat einen großen Einfluss auf das Behandlungsergebnis.

Welche anderen Behandlungen kommen noch infrage?

Bei Patienten mit leichten Depressionen kann auch das sogenannte "Beobachtende Abwarten" gewählt werden. Dabei beginnt zunächst keine Behandlung, ein Arzt beobachtet regelmäßig, ob sich die Beschwerden verändern. Bei leichten Depressionen können zunächst auch unterstützende Gespräche, eine allgemeine Beratung, Aufklärung über die Erkrankung, angeleitete Selbsthilfe, z.B. durch Selbsthilfebücher oder Online-Programme sowie Problemlöseansätze angeboten werden, bevor eine Pharmakotherapie oder Psychotherapie begonnen wird.

Bei mittelschweren Depressionen kommt – alternativ zu einer Psychotherapie - auch eine alleinige Behandlung mit Antidepressiva infrage.

Bei schweren Depressionen ist die Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie am besten geeignet. Weiterhin gibt es ergänzende Behandlungsformen wie Bewegung bzw. Sport, Lichttherapie, Wachtherapie und Unterstützung durch Selbsthilfegruppen.

Wo finde ich weiterführende Informationen?

Weiterführende Informationen zum Thema Psychotherapie bei Depressionen finden Sie auf den folgenden Seiten:


Tipps für das Arztgespräch bei Depressionen

Es ist ein großer Schritt, bei dem Verdacht auf eine Depression, einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Unsere Checkliste hilft bei der Vorbereitung auf das Erstgespräch.


Über diese Faktenbox

Autoren

Sarah Liebherz (Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin), Dr. Jörg Dirmaier (Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut), Prof. Dr. Dr. Martin Härter (Arzt, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut), Dr. Alessa von Wolff (Diplom-Psychologin)

Quellen

Alle Informationen entsprechen dem aktuellen Stand der Forschung und wurden aus den aktuellen Versorgungsleitlinien www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-028p_S3_Angstst%C3%B6rungen_2015-01.pdf entnommen, die von Vertretern vieler Fachgesellschaften erarbeitet wurden. Ergänzend wurden weitere aktuelle wissenschaftliche Arbeiten einbezogen, die nach dem Erscheinen der Leitlinie veröffentlicht wurden. Die dargestellten Informationen wurden sorgfältig recherchiert. Eine Übersicht über die verwendeten Quellen finden Sie im Evidenznachweis.

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung erstellt in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf – Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Arbeitsgruppe „Patientenbeteiligung bei medizinischen Entscheidungen“ sowie dem Projekt psychenet – Hamburger Netz psychische Gesundheit – Teilprojekt II „Interaktives Internetportal“ – gefördert vom Bundesbildungsministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – Förderkennzeichen 01KQ1002B.

Zuletzt aktualisiert: November 2015
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