Titelbild Arzt

Hilft eine kombinierte Behandlung bei schweren Depressionen?

Hier finden Sie wissenschaftlich gesicherte Fakten für Ihre Entscheidung.

Faktenbox herunterladen (PDF)

Bei schweren Erkrankungen ist eine Kombination der Therapien wirksamer

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Depression zu behandeln. Die Behandlung mit Antidepressiva (Pharmakotherapie) sowie psychotherapeutische Verfahren stellen die zentralen Therapieformen dar. Einige Erkrankungen verlaufen so schwer, dass beide Therapieformen miteinander kombiniert werden sollten. Studien zeigen, dass bei schweren Depressionen eine Kombinationsbehandlung besser wirkt, zu weniger Behandlungsabbrüchen und weniger Rückfallen führt.

Bei leichten oder mittelgradigen Depressionen gibt es keine ausreichenden Hinweise auf eine verbesserte Wirkung der Kombinationsbehandlung.

Gerade Menschen mit Depressionen haben oft Schwierigkeiten, sich überhaupt zu überwinden und nach einem Arzt oder Therapeuten zu suchen. Die – oft nicht einfache – Suche nach einem Arzt oder Therapeuten kann eine erste Hürde sein. Wir möchten Ihnen hier Mut machen, dies trotzdem zu versuchen.

Nutzen und Vorteile einer kombinierten Behandlung bei Depressionen

1. Bei wie vielen Patienten mit schwerer Depression haben die Erkrankungssymptome nach 16 Wochen nachgelassen?

Grafik Kombinationsbehandlung bei schweren Depressionen
Eine Kombinationsbehandlung zeigt bei Menschen mit schweren oder langandauernden Depressionen eine bessere Wirkung als Psychotherapie allein.

2. Bei wie vielen Patienten haben die Erkrankungssymptome nach fünf Wochen Behandlung nachgelassen?

Grafik Kombinationsbehandlung bei schweren Depressionen
Kombinationsbehandlung zeigt bei Menschen mit schweren oder langandauernden Depressionen eine bessere Wirkung als Antidepressiva allein.

3. Wie viele Betroffene fangen die Behandlung gar nicht erst an oder brechen diese ab?

Grafik Kombinationsbehandlung bei schweren Depressionen
Schwer depressive Patienten wurden im Krankenhaus entweder mit Kombinationsbehandlung oder mit Medikamenten (Antidepressiva) und kurzen Gesprächen behandelt. Bei Kombinationsbehandlungen arbeiten Patienten meist besser mit den Ärzten zusammen (nehmen z. B. Medikamente regelmäßiger ein) und brechen die Behandlung seltener ab.

4. Wie viele Patienten, bei denen die Erkrankungssymptome nachgelassen hatten, erlitten ein Jahr nach Behandlungsende einen Rückfall?

Grafik Kombinationsbehandlung bei schweren Depressionen
Langfristig haben Patienten mit schweren oder langandauernden Depressionen nach einer Kombinationsbehandlung weniger Rückfälle als Patienten, die allein mit Antidepressiva behandelt wurden.

Risiken und Nachteile einer kombinierten Behandlung bei Depressionen

  • Die Medikamente können Nebenwirkungen zeigen. Auch die Nachteile der Psychotherapie (Mitarbeit, Zeitaufwand) müssen in Kauf genommen werden.
  • Der Patient muss zu zwei Behandlern Vertrauen aufbauen. Es besteht das Risiko, dass die Behandler sich nicht einig sind und unterschiedliche Informationen geben.

Arztsuche mit Schwerpunkt "Psychotherapeuten und Psychiater"


Weitere Informationen zum Thema Kombinationsbehandlung bei schweren Depressionen

Was ist eine schwere Depression?

Der Schweregrad einer Depression richtet sich nach der Anzahl der Symptome. Eine schwere Depression wird diagnostiziert, wenn von zehn möglichen Symptomen (gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Antriebsmangel, Konzentrationsprobleme, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken oder Suizidhandlungen, Schlafstörungen, verminderter oder gesteigerter Appetit) mindestens sieben Symptome vorliegen. Zudem wird darauf geachtet, wie stark diese Symptome ausgeprägt sind.

Menschen mit schweren Depressionen ist es in der Regel nicht mehr möglich, zu arbeiten, den Haushalt zu erledigen oder Freizeitaktivitäten nachzugehen.

Was ist eine Kombinationsbehandlung? Was passiert bei einer Kombinationsbehandlung?

Bei einer Kombinationsbehandlung werden mehrere Therapien miteinander gekoppelt: Antidepressiva und Psychotherapie werden gemeinsam eingesetzt, zum Beispiel wenn eine Behandlung allein nicht gut genug wirkt. Bei schweren Depressionen wird manchmal eine Mitarbeit in der Psychotherapie erst möglich, wenn sich die Beschwerden schon durch Medikamente gebessert haben.

Die Vorteile von beiden Verfahren können dabei genutzt werden: schnelle Wirkung der Medikamente sowie die Reflexion eigener Verhaltensweisen.

Bei einer stationären Behandlung wird die Kombinationsbehandlung meist sofort eingesetzt.

Für wen kommt die Kombinationsbehandlung infrage?

Die Kombinationsbehandlung (Antidepressiva und Psychotherapie) wird für schwere Depressionen empfohlen. Auch wenn schwere Depressionen immer wiederkehren oder wenn die Depression lange anhält (chronische Depression) ist eine Kombinationsbehandlung ratsam.

Bei leichten oder mittelgradigen Depressionen gibt es keine ausreichend sicheren Hinweise auf eine verbesserte Wirkung der Kombinationsbehandlung, d. h. wenn Antidepressiva und Psychotherapie kombiniert werden.

Wann ist eine Behandlung im Krankenhaus notwendig?

Manchmal reicht eine ambulante Behandlung bei schweren Depressionen nicht aus. Es kann sein, dass eine stationäre Behandlung notwendig wird, wenn:

  • eine erfolgreiche Behandlung wegen der Lebensumstände nicht möglich ist.
  • die Wartezeiten auf eine ambulante Behandlung zu lang sind und es dem Betroffenen immer schlechter geht.
  • die Gefahr besteht, dass der Betroffene vereinsamt.
  • eine ambulante Behandlung über einen längeren Zeitraum keinen Erfolg zeigt.
  • die Gefahr besteht, dass die Depression chronisch wird.
  • der Erkrankte gefährdet ist, sich selbst etwas anzutun.

Welche anderen Behandlungen kommen noch infrage?

Für Menschen mit schweren Depressionen ist die Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie am besten geeignet. Weiterhin gibt es ergänzende Behandlungsformen wie Bewegung bzw. Sport, Lichttherapie, Wachtherapie und Unterstützung durch Selbsthilfegruppen.

Welche weiterführenden Informationen können noch helfen?


Tipps für das Arztgespräch bei Depressionen

Es ist ein großer Schritt, bei dem Verdacht auf eine Depression, einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Unsere Checkliste hilft bei der Vorbereitung auf das Erstgespräch.


Über diese Faktenbox

Autoren

Sarah Liebherz (Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin), Dr. Jörg Dirmaier (Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut), Prof. Dr. Dr. Martin Härter (Arzt, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut), Dr. Alessa von Wolff (Diplom-Psychologin)

Beteiligter Experte

Prof. Dr. med. Tom Bschor (Schloßpark-Klinik Berlin)

Quellen

Alle Informationen entsprechen dem aktuellen Stand der Forschung und wurden aus den aktuellen Versorgungsleitlinien www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-028p_S3_Angstst%C3%B6rungen_2015-01.pdf entnommen, die von Vertretern vieler Fachgesellschaften erarbeitet wurden. Ergänzend wurden weitere aktuelle wissenschaftliche Arbeiten einbezogen, die nach dem Erscheinen der Leitlinie veröffentlicht wurden. Die dargestellten Informationen wurden sorgfältig recherchiert. Eine Übersicht über die verwendeten Quellen finden Sie im Evidenznachweis.

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung erstellt in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf – Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Arbeitsgruppe „Patientenbeteiligung bei medizinischen Entscheidungen“ sowie dem Projekt psychenet – Hamburger Netz psychische Gesundheit – Teilprojekt II „Interaktives Internetportal“ – gefördert vom Bundesbildungsministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – Förderkennzeichen 01KQ1002B.

Zuletzt aktualisiert: Juni 2015
u70
u70