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Helfen Sport und Bewegung bei Depressionen?

Hier finden Sie wissenschaftlich gesicherte Fakten für Ihre Entscheidung.

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Bewegung und Sport helfen unserem Wohlbefinden

Bewegung tut gut, das gilt sowohl für Menschen mit und ohne Depressionen. Neuere Studien untersuchen die Wirksamkeit von Sport und Bewegung bei Depressionen. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass Krafttraining oder eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining Patienten mit Depressionen helfen kann. Studien deuten darauf hin, dass Sport und Bewegung genauso wirksam sind wie die Behandlung mit Antidepressiva oder eine Psychotherapie. Gesichert ist aber derzeit nur, dass das Wohlbefinden durch Bewegung positiv beeinflusst wird. Die derzeit vorliegenden Studien werden als nicht ausreichende wissenschaftliche Belege gewertet, dass Sport und Bewegung allein gegen Depressionen wirken. Bewegung und Sport lassen sich mit anderen Behandlungsmöglichkeiten wie Psychotherapie oder Medikamenten kombinieren.

Gerade Menschen mit Depressionen haben oft Schwierigkeiten, sich überhaupt zu überwinden und nach einem Arzt oder Therapeuten zu suchen. Die – oft nicht einfache – Suche nach einem Arzt oder Therapeuten kann eine erste Hürde sein. Wir möchten Ihnen hier Mut machen, dies trotzdem zu versuchen.

Nutzen und Vorteile von Sport und Bewegung bei Depressionen

1. Bewegung und Sport...

  • können die Stimmung positiv beeinflussen
  • beeinflussen die Gesundheit und das Wohlbefinden positiv, so werden z. B. sogenannte Endorphine (körpereigene Stoffe, die Freude fördern und das Schmerzempfinden dämpfen) ausgeschüttet und das Stresshormon Cortisol wird gesenkt
  • lassen sich einfach umsetzen, ohne dass man z. B. einen Arzt oder Therapeuten finden muss
  • lassen sich mit anderen Behandlungsmöglichkeiten wie Psychotherapie oder Medikamenten kombinieren

2. Bei wie vielen Patienten haben die Erkrankungssymptome nachgelassen?

Grafik Bewegung und Sport bei Depressionen
Grafik Bewegung und Sport bei Depressionen
Es gibt bislang nur wenige Studien zur Wirksamkeit von Sport und Bewegung bei Depressionen. Diese deuten darauf hin, dass Sport und Bewegung ähnlich wirksam sind wie die Behandlung mit Antidepressiva oder mit einer Psychotherapie.
Grafik Bewegung und Sport bei Depressionen
Im Vergleich mit verschiedenen Kontrollbedingungen (z. B. gar keine Behandlung, Platz auf einer Warteliste, Placebobehandlung) hat sich ein Bewegungsangebot als leicht überlegen gezeigt.

Gesichert ist, dass das Wohlbefinden durch Bewegung positiv beeinflusst wird. Auch kann Sport von negativen Gedanken, welche die Depressionen häufig begleiten, ablenken. Wenn Sport gemeinsam mit anderen Menschen betrieben wird, können auch die sozialen Kontakte hilfreich gegen die Depression sein. Die derzeit vorliegenden Studien werden jedoch als nicht ausreichende wissenschaftliche Belege gewertet, dass Sport und Bewegung allein gegen Depressionen wirken.


Risiken und Nachteile von Sport und Bewegung bei Depressionen

  • Es ist nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht klar, ob Sport allein Depressionen heilen kann.
  • Je nach Bewegungs- bzw. Sportart gibt es unterschiedliche Verletzungsrisiken. Bei körperlichen Vorerkrankungen (z. B. Herzerkrankungen, Knieprobleme), sollte die passende Sportart gemeinsam mit dem Arzt ausgewählt werden.
  • Damit Sport wirken kann, ist es wichtig, diesen regelmäßig auszuüben, was Menschen mit Depressionen oft schwerfällt. Man weiß noch nicht, ob die Wirkung anhält, wenn man den Sport wieder aufgibt.

Arztsuche mit Schwerpunkt "Psychotherapeuten und Psychiater"


Weitere Informationen zum Thema Bewegung und Sport bei Depressionen

Was bewirken Bewegung bzw. Sport?

Bewegung tut gut, das gilt sowohl für Menschen ohne Depressionen, aber auch gerade für Menschen mit Depressionen. Damit man sich besser fühlt, kommt es darauf an, sich regelmäßig zu bewegen bzw. Sport zu treiben. Es muss kein Hochleistungssport sein.

Welche Sportart ist die richtige?

Bisher weiß man nicht, welche Sportart am besten gegen Depressionen hilft. Tendenziell scheint Krafttraining oder eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining effektiver zu sein als reines Ausdauertraining. Aber auch Kombinationen aus körperlicher Bewegung und mentalem Training (z.B. Tai Chi oder Qigong) scheinen hilfreich zu sein, wenn sie regelmäßig ausgeübt werden. Hilfreich ist es, wenn es sich um ein strukturiertes Trainingsprogramm unter Anleitung handelt. Je nach Vorliebe kann man Sport allein (z.B. Laufen, Fahrradfahren) oder mit anderen in einem Kurs oder Verein ausüben. Krankenkassen übernehmen sogar oft einen Teil der Kosten, wenn es sich um sogenannte Präventionsangebote handelt.

Für wen kommt Bewegung bzw. Sport infrage?

Sport kommt prinzipiell für alle Menschen mit Depressionen infrage und lässt sich mit anderen Behandlungsmethoden kombinieren. Auch bei älteren Menschen mit Depressionen zeigt Sport positive Auswirkungen. Sind die Depressionen schwer oder bessern sich nicht ausreichend, wird eine zusätzliche psychotherapeutische und/oder medikamentöse Behandlung empfohlen.

Was ist bei Bewegung / Sport noch zu beachten?

Bei allen Sportarten sollte auf die richtige Ausrüstung (z. B. Laufschuhe) geachtet werden. Auch ist eine Anleitung durch qualifizierte Trainer oder Physiotherapeuten empfehlenswert, damit keine Schäden durch falsche Belastungen entstehen.

Welche weiterführenden Informationen können noch helfen?


Tipps für das Arztgespräch bei Depressionen

Es ist ein großer Schritt, bei dem Verdacht auf eine Depression, einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Unsere Checkliste hilft bei der Vorbereitung auf das Erstgespräch.


Über diese Faktenbox

Autoren

Sarah Liebherz (Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin), Dr. Jörg Dirmaier (Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut), Prof. Dr. Dr. Martin Härter (Arzt, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut), Dr. Alessa von Wolff (Diplom-Psychologin)

Beteiligter Experte

Prof. Dr. med. Tom Bschor (Schloßpark-Klinik Berlin)

Quellen

Alle Informationen entsprechen dem aktuellen Stand der Forschung und wurden aus den aktuellen Versorgungsleitlinien www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-028p_S3_Angstst%C3%B6rungen_2015-01.pdf entnommen, die von Vertretern vieler Fachgesellschaften erarbeitet wurden. Ergänzend wurden weitere aktuelle wissenschaftliche Arbeiten einbezogen, die nach dem Erscheinen der Leitlinie veröffentlicht wurden. Die dargestellten Informationen wurden sorgfältig recherchiert. Eine Übersicht über die verwendeten Quellen finden Sie im Evidenznachweis.

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung erstellt in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf – Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Arbeitsgruppe „Patientenbeteiligung bei medizinischen Entscheidungen“ sowie dem Projekt psychenet – Hamburger Netz psychische Gesundheit – Teilprojekt II „Interaktives Internetportal“ – gefördert vom Bundesbildungsministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – Förderkennzeichen 01KQ1002B.

Zuletzt aktualisiert: Juni 2015
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