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Mittelohrentzündung: Können Antibiotika bei Kindern die Beschwerden lindern?

Hier finden Sie wissenschaftlich gesicherte Fakten für Ihre Entscheidung.

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Nicht jedes Kind mit einer akuten Mittelohrentzündung braucht Antibiotika

Antibiotika helfen bei Mittelohrentzündungen oft nicht, da sie nur gegen Bakterien wirken. Häufig werden Mittelohrentzündungen bei Kindern aber durch Viren verursacht, übrigens genauso wie auch einfache Erkältungen oder eine Bronchitis. Eine Mittelohrentzündung heilt meist innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst ab. Um Ohrenschmerzen zu lindern, können Kindern geeignete Schmerzmittel gegeben werden.

Eine Antibiotikaeinnahme kann sinnvoll sein, wenn die Symptome auf eine bakterielle Infektion hinweisen, zum Beispiel Eiter oder Ausfluss aus den Ohren austritt und bei Kindern unter 2 Jahren, bei denen beide Ohren betroffen sind. Ein übermäßiger Einsatz gegen harmlose Krankheiten macht Bakterien dagegen widerstandfähiger (resistent). Antibiotika können zudem Nebenwirkungen hervorrufen, wie zum Beispiel Erbrechen, Durchfall oder Hautausschlag.

Nutzen einer Antibiotika-Einnahme bei Mittelohrentzündungen

1. Wie viele Kinder hatten 4-7 Tage nach der Diagnose Schmerzen?

Grafik akute Miittelohrentzuendung

Wie viele Kinder hatten 2 bis 4 Wochen nach der Diagnose einen auffälligen Befund, der auf Hörprobleme hinweisen kann?

Grafik akute Miittelohrentzuendung

3. Bei wie vielen Kindern trat ein gerissenes (perforiertes) Trommelfell als Folge der Infektion auf?

Grafik akute Miittelohrentzuendung

Risiken einer Antibiotika-Einnahme bei Mittelohrentzündungen

1. Bei wie vielen Kindern traten Nebenwirkungen auf (z. B. Erbrechen, Durchfall oder Hautausschlag)?

Grafik akute Miittelohrentzuendung

Welche anderen Risiken sind allgemein mit der Einnahme von Antibiotika verbunden?

Ein übermäßiger oder nicht sachgerechter Gebrauch von Antibiotika kann zu einer Antibiotikaresistenz führen. Eine Antibiotikaresistenz liegt vor, wenn das Medikament nicht mehr wirkt, weil sich die Bakterien verändert haben.

Antibiotika können außerdem Magen-Darm-Beschwerden (zum Beispiel Erbrechen, Durchfall) sowie allergische Hautauschläge hervorrufen.

Erklärende Informationen zum Verständnis der Grafiken

Die Zahlen in den Grafiken sind Durchschnittswerte von Kindern bis zu 15 Jahren mit akuter Mittelohrentzündung, die über 7 bis 14 Tage Antibiotika oder ein Placebo (Scheinmedikament) erhielten. Die Zahlen sind gerundet und basieren auf 13 Studien mit insgesamt 3.401 Kindern.

Was ist eine Placebo-Behandlung?
Eine Placebo-Behandlung simuliert eine Behandlung lediglich, zum Beispiel durch ein neutrales oder unechtes Medikament. Die Effekte einer solchen Scheinbehandlung werden dann mit den Effekten der tatsächlichen Behandlung verglichen. Das Ziel der Placebo-Behandlung ist, herauszufinden, ob der Effekt der tatsächlichen Behandlung deutlich stärker ist als der allein durch den Glauben erzielte Effekt, dass man tatsächlich behandelt wurde.


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Weitere Informationen zum Thema Antibiotika-Einnahme bei Mittelohrentzündung

Was ist eine akute Mittelohrentzündung?

Eine akute Mittelohrentzündung ist eine Infektion des Mittelohrs, die schmerzhaft sein (Ohrenschmerzen) und zu Fieber führen kann. In einigen Fällen kann sich das Hörvermögen verschlechtern.  

Was ist das Ziel der Antibiotika-Behandlung?

Antibiotika bekämpfen Bakterien. Sie töten Bakterien ab oder hemmen sie in ihrem Wachstum und sollen dadurch den Krankheitsverlauf verbessern und eventuelle Komplikationen verhindern.

Wann kommt eine Behandlung mit Antibiotika bei akuter Mittelohrentzündung im Kindesalter in Frage?

Bei Kindern mit anhaltender oder sicher verschlimmernder Mittelohrentzündung können Antibiotika in Betracht gezogen werden.

Was sollte noch beachtet werden?

Antibiotika sollten bei Kindern besonders vorsichtig verwendet werden. Dass gerade bei Kindern besonders häufig Antibiotika verschrieben werden, ist kritisch zu sehen.

Bis Antibiotika die Erreger erfolgreich bekämpft haben, vergehen einige Tage. So können zwar die Symptome zurückgehen und Ihr Kind kann sich schon wieder besser fühlen. Trotzdem ist es wichtig, Antibiotika genauso einzunehmen, wie es mit dem Arzt vereinbart wurde. Andernfalls können Erreger überleben, sich erneut ausbreiten – und Widerstandskräfte gegen das Antibiotikum bilden.

Da es sich bei Erkältungskrankheiten, Grippe und akuten Mittelohrentzündungen in der Regel um Virusinfekte handelt, können Antibiotika hier nicht helfen. Nur bei der Gefahr eines schwerwiegenden Krankheitsverlaufs und wenn der Arzt dies gut begründet, sollten Antibiotika gezielt eingenommen werden.

Welche anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es können Schmerzmittel zur Schmerzlinderung eingesetzt und der Krankheitsverlauf abwartend beobachtet werden.

Welche weiterführenden Informationen können noch helfen?

Was kann ich bei einer Mittelohrentzündung tun? Weitere Informationen zum Thema Mittelohrentzündung finden Sie auf den Seiten von gesundheitsinformation.de – ein Angebot des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).


Über diese Faktenbox

Quellen

[1] Venekamp RP, Sanders SL, Glasziou PP, et al. Antibiotics for acute otitis media in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015(6):Cd000219. doi: 10.1002/14651858.CD000219.pub4. [2] Bundesministerium für Gesundheit (Ed.). Die wichtigsten Begriffe zum Thema Antibiotika-Resistenzen.

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut erstellt.

Zuletzt aktualisiert: Juni 2016
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