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Hilft eine Psychotherapie bei Angststörungen?

Hier finden Sie wissenschaftlich gesicherte Fakten für Ihre Entscheidung.

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Verhaltenstherapie bei generalisierter Angststörung oft gut wirksam

Bei einer generalisierten Angststörung kann eine Verhaltenstherapie die Symptome verbessern. Dabei hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksamer erwiesen als die analytische Psychotherapie. Psychotherapien helfen, sich selbst besser zu verstehen. Eigene Stärken können erkannt und aufgebaut werden. Die Wirkung tritt jedoch erst nach einigen Wochen ein und die Behandlung beansprucht Zeit und Energie. Andere Behandlungsmöglichkeiten sind Medikamente und Entspannungsverfahren. Die Therapien können auch miteinander kombiniert werden. Persönliche Wünsche und Vorstellungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Behandlung.

Nutzen und Vorteile einer Psychotherapie bei Angststörungen

Bei wie vielen Patienten haben sich die Beschwerden nach einem Zeitraum von vier bis 15 Wochen gebessert?

Grafik Psychotherapie bei Angststörung
Die Zahlen zeigen, dass sich bei einem kleinen Teil der Patienten, die auf der Warteliste für eine Verhaltenstherapie stehen, die Symptome bessern. Bei den Patienten, die eine Verhaltenstherapie bekommen, sind es jedoch deutlich mehr.

Des Weiteren belegen Studien, dass Verhaltenstherapie wirksamer als die Einnahme eines Placebos (Scheinmedikament) ist.

Erklärende Informationen zum Verständnis der Grafik

In zahlreichen Studien wurde die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie untersucht. Dabei haben Patienten entweder eine Verhaltenstherapie bekommen oder sie standen auf einer Warteliste für eine Behandlung.


Risiken und Nachteile einer Psychotherapie bei Angststörungen

  • Die Wirkung tritt erst nach ungefähr 4 bis 15 Wochen ein.
  • Psychotherapie beansprucht Zeit und Energie (wöchentliche Termine, eigene Mitarbeit).
  • Manchmal werden Sie mit Sichtweisen auf das eigene Leben konfrontiert, die zunächst unangenehm sein können. Es kann daher vorkommen, dass sich die Beschwerden vorübergehend verschlimmern.
  • Wenn Sie in einer Psychotherapie Ihr Verhalten verändern, kann dies – neben positiven Auswirkungen – auch zu Konflikten in Ihrem Umfeld führen.
  • Oft haben Psychotherapeuten längere Wartezeiten, sodass die Behandlung nicht sofort begonnen werden kann. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Oft müssen Sie mehrere Therapeuten anrufen, bevor Sie einen Platz finden.

Die wichtigsten Fakten zusammengefasst

Positiv

  • Wirkt gut.
  • Hilft, sich selbst besser zu verstehen.
  • Eigene Stärken können erkannt und aufgebaut werden.
  • Behandlungsmethoden und Ziele können individuell gestaltet werden, z. B. kann man ein Entspannungsverfahren lernen oder sich auf andere Art und Weise mit den Sorgen auseinanderzusetzen.
  • Durch aktive Veränderungen wird das Vertrauen in die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten gestärkt.
  • Ein Transfer des in der Therapie Gelernten ist wichtig für nachhaltige Besserung.

Negativ

  • Die Wirkung tritt erst nach einigen Wochen ein.
  • Beansprucht Zeit und Energie (wöchentliche Termine über mehrere Monate, Mitarbeit).
  • Die Auseinandersetzungen mit den Sorgen oder anderen Lebensschwierigkeiten kann am Anfang der Behandlung belastend sein.
  • Oft gibt es Wartelisten bei Psychotherapeuten, daher muss man evtl. warten bis die Therapie beginnen kann.

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Weitere Informationen zum Thema Psychotherapie bei Angststörung

Was passiert bei einer psychotherapeutischen Behandlung?

Bei einer Psychotherapie finden regelmäßig Gespräche, meist wöchentlich, mit einem Psychotherapeuten statt. In einer Psychotherapie hat der Patient eine aktive Rolle, das bedeutet: Psychotherapie ist weitestgehend Anleitung zur Selbsthilfe. Eine Psychotherapie hilft, sich selbst besser zu verstehen und mit aufkommenden Ängsten aktiv umzugehen.

Für wen kommt eine Psychotherapie infrage?

Ob eine Psychotherapie infrage kommt, sollte mit dem Arzt oder Therapeuten in einem Informationsgespräch besprochen werden. Besonders folgende Aspekte sollten dabei eine Rolle spielen:

  • Zeitaufwand (wöchentliche Termine über mehrere Monate),
  • aktive Mitarbeit,
  • Zeitdauer bis zum Wirkeintritt,
  • Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit / mögliche Wartezeiten auf eine Psychotherapie.

Eine wichtige Voraussetzung einer Psychotherapie ist das Vertrauen zwischen Patient und Therapeut. Es hat einen großen Einfluss auf das Behandlungsergebnis.

Die Behandlung von Angststörungen kann neben psychotherapeutischen Verfahren auch mit Medikamenten erfolgen. Beides kann auch kombiniert werden. Persönliche Wünsche und Vorstellungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Behandlung.

Welche Therapieformen gibt es?

Es gibt verschiedene Psychotherapieverfahren. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen für die "Verhaltenstherapie" und die "psychoanalytisch begründeten Verfahren" (tiefenpsychologisch begründete und analytische Psychotherapie) übernommen.

In der (kognitiven) Verhaltenstherapie lernen Sie:

  • sich bewusst zu werden, dass Gedanken das Auftreten von Gefühlen und Verhaltensweisen in häufig ungünstiger Weise beeinflussen.
  • dass Gedanken teilweise automatisiert auftreten, ohne dass man realisiert, wie die Emotionen hierdurch beeinflusst werden. Die Patienten sollen in der Therapie lernen, kritisch zu bewerten, ob die automatisiert auftretenden Gedanken wirklich zutreffend und/oder hilfreich sind.
  • Fertigkeiten zu entwickeln, um negativ verzerrte und wenig hilfreiche Gedanken, besonders aber deren zugrundeliegenden Annahmen selbstständig zu erkennen, zu unterbrechen und zu korrigieren, um sich angemessener und situationsangepasster verhalten zu können.
  • Fertigkeiten, wie körpernahe Anspannung und Überregung aktiv reduziert werden können.
  • sich durch Ängste und Anspannung nicht von wichtigen Dingen abhalten zu lassen, die Sie sich vornehmen.

Wesentliche Bausteine der Behandlung von Angststörungen in Psychoanalytischer Therapie und Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie sind:

  • Die Behandlung bietet einen "sichere Basis", welche zur Erkundung der Umwelt beziehungsweise zur Kontaktaufnahme mit anderen Menschen ermutigt und unterstützt, sich angstbesetzten Situationen zu stellen und dies in der Therapie zu besprechen.
  • Die akzeptierende Haltung des Therapeuten ermöglicht die Auseinandersetzung mit überhöhten Selbstanforderungen.
  • Sie korrigiert die Erfahrung, in wichtigen Beziehungen beschämt worden zu sein und hilft, sich selbst Halt und Wertschätzung zu geben.

Welche Therapieform hilft mir?

Es gibt mehr als zehn Studien, die die Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie belegen. Menschen, denen eine Verhaltenstherapie nicht geholfen hat oder die psychoanalytisch begründete Verfahren (tiefenpsychologisch begründete und analytische Psychotherapie) bevorzugen, können auch diese angeboten werden.

Analytische Psychotherapie zeigte sich in einer Studie jedoch weniger wirksam als kognitive Verhaltenstherapie bei Patienten mit einer Generalisierten Angststörung. In einer weiteren Studie zeigten die beiden therapeutischen Verfahren keine Unterschiede. In einer Nachsorge-Untersuchung hatte kognitive Verhaltenstherapie langfristigere Wirkungen als analytische Psychotherapie. Bei Patienten mit einer Generalisierten Angststörung zeigen Untersuchungen weiterhin, dass neben der Verhaltenstherapie die Behandlung mit Angstmedikamenten ebenso wirksam ist.

Welche ergänzenden Behandlungen kommen noch infrage?

Bei Patienten mit einer Generalisierten Angststörung werden auch Entspannungsverfahren wie die sogenannte "Progressive Muskelentspannung" eingesetzt. Dabei wird angestrebt, die mit der Angst auftretende körperliche Anspannung zu reduzieren. Es kann dabei in Einzelfällen und vorübergehend auch zu einer Zunahme der Angstsymptomatik kommen; die Anwendung sollte daher individuell mit dem Therapeuten besprochen und erprobt werden.

Körperliche, soziale Aktivitäten und Sport können zur Besserung der Symptome beitragen, da hierdurch auch ein mit Angststörungen verbundenes Rückzugs- und Schonverhalten behandelt wird. Als alleinige Maßnahme gegen Angsterkrankungen reicht Sport allerdings nicht aus.

Welche weiterführenden Informationen können noch helfen?


Über diese Faktenbox

Autoren

PD Dr. Rüya-Daniela Kocalevent, MPH (Diplom-Psychologin und Master of Public Health), Sarah Liebherz (Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin), Dr. Jörg Dirmaier (Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut), Prof. Dr. Dr. Martin Härter (Arzt, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut)

Beteiligte Experten

Prof. Dr. med. Borwin Bandelow, Dr. Dipl.-Psych. Jörg Angenendt

Quellen

Alle Informationen entsprechen dem aktuellen Stand der Forschung und wurden aus den aktuellen Versorgungsleitlinien (PDF) entnommen, die von Vertretern vieler Fachgesellschaften erarbeitet wurden (Bandelow et al., 2014a, 2014b).

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf – Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie erstellt.

Zuletzt aktualisiert: November 2015
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