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Ist eine Psychotherapie bei einer Agoraphobie wirksam?

Hier finden Sie wissenschaftlich gesicherte Fakten für Ihre Entscheidung.

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Von den psychotherapeutischen Verfahren wirkt die Verhaltenstherapie am besten

Die Verhaltenstherapie ist bei einem Großteil der Patienten wirksam. Zwei von drei Patienten, die eine Verhaltenstherapie gemacht haben, berichten von einer Verbesserung der Beschwerden. Dass eine psychoanalytisch begründete Therapie gleichermaßen wirkt, konnte bislang nicht überzeugend nachgewiesen werden.

Eine weitere Behandlungsoption sind Medikamente. Die medikamentöse Therapie kann auch mit einer Verhaltenstherapie kombiniert werden. Persönliche Wünsche und Vorstellungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Behandlung.

Nutzen und Vorteile einer Psychotherapie bei Agoraphobie

Bei wie vielen Patienten haben sich die Beschwerden nach einem Zeitraum von 3 bis 15 Wochen gebessert?

Grafik Psychotherapie Agoraphobie

Die Verhaltenstherapie wirkt bei einem Großteil der Patienten gut. Zwei von drei Patienten mit einer Verhaltenstherapie berichten von einer Verbesserung der Beschwerden. Auch bei Patienten, die auf einer Warteliste für eine Behandlung stehen, bessern sich die Beschwerden, allerdings bei deutlich weniger Patienten.

Des Weiteren belegen Studien, in denen Patienten entweder mit Verhaltenstherapie oder mit einem Placebo (Scheinmedikament) behandelt wurden, dass Verhaltenstherapie wirksamer ist.

Erklärende Informationen zum Verständis der Grafik

In zahlreichen Studien wurde die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie untersucht. Dabei haben Patienten entweder eine Therapie erhalten oder sie standen auf einer Warteliste für eine Behandlung.


Risiken und Nachteile einer Psychotherapie

  • Die Wirkung tritt erst nach ungefähr 3 bis 15 Wochen ein.
  • Psychotherapie beansprucht Zeit und Energie (wöchentliche Termine, eigene Mitarbeit).
  • Manchmal werden Sie mit Sichtweisen auf das eigene Leben konfrontiert, die zunächst unangenehm sein können. Es kann daher vorkommen, dass sich die Beschwerden vorübergehend sogar verschlimmern.
  • Wenn Sie in einer Psychotherapie Ihr Verhalten verändern, kann dies – neben positiven Auswirkungen – auch zu Konflikten in Ihrem Umfeld führen.
  • Oft haben Psychotherapeuten längere Wartezeiten, sodass die Behandlung nicht sofort begonnen werden kann. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Oft müssen Sie mehrere Therapeuten anrufen, bevor Sie einen Platz finden.

Die wichtigsten Fakten zusammengefasst

Positiv
  • Wirkt gut.
  • Hilft, sich selbst besser zu verstehen.
  • Eigene Stärken können erkannt und aufgebaut werden.
  • Behandlungsmethoden und Ziele können individuell gestaltet werden.
  • Es gibt unterschiedliche verhaltenstherapeutische Verfahren, Techniken und Anwendungsformen.
  • Es werden konkrete und praktische Möglichkeiten zur Beeinflussung der Ängste vermittelt.
Negativ
  • Die Wirkung tritt erst nach einigen Wochen ein.
  • Beansprucht Zeit und Energie (wöchentliche Termine über mehrere Monate, Mitarbeit).
  • Die Auseinandersetzungen mit den Ängsten oder anderen Lebensschwierigkeiten kann am Anfang der Behandlung belastend sein.
  • Oft gibt es Wartelisten bei Psychotherapeuten, daher muss man evtl. warten bis die Therapie beginnen kann.

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Weitere Informationen zum Thema Psychotherapie bei Agoraphobie

Was passiert bei einer psychotherapeutischen Behandlung?

Bei einer Psychotherapie finden regelmäßig Gespräche, meist wöchentlich, mit einem Psychotherapeuten statt. In einer Psychotherapie hat der Patient eine aktive Rolle. Das bedeutet: Psychotherapie ist weitestgehend Anleitung zur Selbsthilfe. Eine Psychotherapie hilft, sich selbst besser zu verstehen und mit aufkommenden Ängsten und Panikgefühlen aktiv umzugehen.

Für wen kommt eine Psychotherapie infrage?

Ob eine Psychotherapie infrage kommt, sollte mit dem Arzt oder Therapeuten in einem Informationsgespräch besprochen werden. Besonders folgende Aspekte sollten dabei eine Rolle spielen:

  • Zeitaufwand (wöchentliche Termine über mehrere Monate),
  • aktive Mitarbeit,
  • Zeitdauer bis zum Wirkeintritt,
  • Nachhaltigkeit und
  • Verfügbarkeit / mögliche Wartezeiten auf eine Psychotherapie.

Eine wichtige Voraussetzung einer Psychotherapie ist das Vertrauen zwischen Patient und Therapeut. Es hat einen großen Einfluss auf das Behandlungsergebnis.

Die Behandlung von Agoraphobie (mit/ohne Panikstörung) kann neben psychotherapeutischen Verfahren auch mit Medikamenten erfolgen. Beides kann auch kombiniert werden. Persönlichen Wünsche und Vorstellungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Behandlung.

Welche Therapieformen gibt es?

Es gibt verschiedene Psychotherapieverfahren. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen für die "Verhaltenstherapie" und die "psychoanalytisch begründeten Verfahren" (tiefenpsychologisch begründete und analytische Psychotherapie) übernommen.

In der (kognitiven) Verhaltenstherapie lernen Sie:

  • die situativen und inneren Auslöser (z. B. körperliche Missempfindungen) der Ängste zu erkennen
  • sich bewusst zu sein, dass Gedanken das Auftreten von Gefühlen und Verhaltensweisen in manchmal ungünstiger Weise beeinflussen
  • dass Gedanken teilweise automatisiert auftreten, ohne dass man realisiert, wie die Emotionen hierdurch beeinflusst werden. Die Patienten sollen in der Therapie lernen, kritisch zu bewerten, ob die automatisiert auftretenden Gedanken korrekt und/oder hilfreich sind
  • Fertigkeiten zu entwickeln, um wenig hilfreiche Gedanken, besonders aber deren zugrundeliegenden Annahmen, selbstständig zu erkennen, zu unterbrechen und zu korrigieren, um sich angemessener und situationsangepasster verhalten zu können.
  • das Vermeidungsverhalten abzubauen
  • durch konkrete therapeutische Übungen, mit aufkommenden Ängsten und Panikgefühlen aktiv umzugehen, ohne zu flüchten oder zu vermeiden
  • dass auch starke Angst und Panik bei Verbleib in den kritischen Situationen wieder nachlässt

Wesentliche Bausteine der Behandlung von Angststörungen in psychoanalytischer Therapie und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie sind:

  • Die Behandlung bietet eine "sichere Basis", die zur Erkundung der Umwelt beziehungsweise zur Kontaktaufnahme mit anderen Menschen ermutigt und unterstützt, sich angstbesetzten Situationen zu stellen und dies in der Therapie zu besprechen.
  • Die akzeptierende Haltung des Therapeuten ermöglicht die Auseinandersetzung mit überhöhten Selbstanforderungen.

Welche Therapieform hilft?

Die Forschung konnte zeigen, dass von den verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren die kognitive Verhaltenstherapie zur Behandlung der Agoraphobie mit/ohne Panikstörung wirksam ist. Internationale Leitlinien empfehlen daher, dass die Agoraphobie mit/ohne Panikstörung bevorzugt mit kognitiver Verhaltenstherapie behandelt werden sollte.

Studien zur psychoanalytisch begründeten Therapie haben bisher nicht überzeugend zeigen können, dass diese Therapieform ebenso gut wirkt wie eine Verhaltenstherapie.

Welche anderen Behandlungen kommen noch infrage?

Bei Patienten mit einer Agoraphobie mit/ohne Panikstörung werden auch Entspannungsverfahren, wie die sogenannte "Progressive Muskelentspannung" eingesetzt. Dabei wird angestrebt, die mit der Angst auftretende körperliche Anspannung zu reduzieren. Es kann dabei aber auch zu einer Zunahme der Angstsymptomatik kommen; die Anwendung sollte daher individuell mit dem Therapeuten besprochen und erprobt werden.

Körperliche und soziale Aktivitäten sowie Sport können zur Besserung der Symptome beitragen, da hierdurch auch ein mit Angststörungen verbundenes Rückzugs- und Schonverhalten behandelt wird. Als alleinige Maßnahme gegen Angsterkrankungen reicht Sport allerdings nicht aus.


Über diese Faktenbox

Autoren

PD Dr. Rüya-Daniela Kocalevent, MPH (Diplom-Psychologin und Master of Public Health), Sarah Liebherz (Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin), Dr. Jörg Dirmaier (Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut), Prof. Dr. Dr. Martin Härter (Arzt, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut)

Beteiligte Experten

Prof. Dr. med. Borwin Bandelow, Dr. Dipl.-Psych. Jörg Angenendt

Quellen

Alle Informationen entsprechen dem aktuellen Stand der Forschung und wurden aus den aktuellen Versorgungsleitlinien (PDF) entnommen, die von Vertretern vieler Fachgesellschaften erarbeitet wurden. Ergänzend wurden weitere aktuelle wissenschaftliche Arbeiten einbezogen, die nach dem Erscheinen der Leitlinie veröffentlicht wurden.

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf – Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie erstellt.

Zuletzt aktualisiert: November 2015
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