Was ist Palliativversorgung?

Palliativversorgung begleitet schwerstkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase. Indem Schmerzen gelindert oder Symptome behandelt werden, wird die Lebensqualität bis zum nahen Tod aufrechterhalten. Dabei werden belastende Behandlungen vermieden und die Patienten seelsorgerisch betreut.

Die meisten Deutschen wünschen sich, ihre letzte Lebensphase zu Hause zu verbringen. Findet die palliative Versorgung frühzeitig zu Hause statt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, in der gewohnten Umgebung zu sterben.


Welche Formen der Palliativversorgung gibt es?

Die Entscheidung für eine Versorgungsformen – zu Hause, im Pflegeheim, im Hospiz oder im Krankenhaus – erfolgt nicht immer selbstbestimmt. Falls möglich, sollte eine palliative Versorgung frühzeitig einsetzen und bereits in der häuslichen Umgebung stattfinden. Hierbei unterstützen ausgebildete Pflegekräfte in der gewohnten Umgebung des Patienten – zu Hause oder im Pflegeheim. Wenn dies aufgrund des Krankheitsbildes, der Wohnsituation oder der Ressourcen der Angehörigen nicht mehr möglich ist, kann die Palliativversorgung auch stationär, zum Beispiel im Hospiz oder Krankenhaus, erfolgen.

Zu Hause oder im Heim

Eine Frau liegt im Bett. Einen zweite Frau sitzt auf dem Bett und hält die Hand der ersten Frau.
  • Im vertrauten Umfeld versorgt werden
  • Betreuung durch qualifizierte Pflegekräfte, Haus- und/oder Facharzt
  • Unterstützung durch Palliativambulanzen sowie spezielle Tageskliniken und -hospize
  • Entlastung durch seelsorgerische Betreuung der ambulanten Hospizdienste

Im Hospiz

Eine Krankenschwester und eine Patientin sitzen nebeneinander und halten sich die Hände.
  • Ganzheitliche Sterbebegleitung (inklusive seelsorgerische Betreuung) durch das Pflegepersonal
  • Bei Bedarf Einsatz von Haus- und Fachärzten mit palliativmedizinischer Qualifizierung
  • Schwerpunkt: Begleitung und Symptomlinderung

Im Krankenhaus

Eine Patieten liegt im Bett. Auf Ihrem Bett sitzt eine Ärztin.
  • Versorgung auf Palliativ- oder Normalstationen bei besonders aufwändiger Betreuung in der letzten Lebensphase
  • Nach Möglichkeit kurzzeitige Aufnahme zur Behandlung von Beschwerden, nach Stabilisierung Entlassung nach Hause oder ins Heim
  • Schwerpunkt: Behandlung der Grunderkrankung

Wo gibt es passende Palliativversorgungs-Angebote?

Suchen Sie nach einem passenden Pflegedienst mit Schwerpunkt "Palliativpflege" oder einem Krankenhaus mit Schwerpunkt "Fachübergreifende Sterbebegleitung" in Ihrer Region. Die Suchmöglichkeiten sind entsprechend voreingestellt.

Pflegedienstsuche mit Schwerpunkt "Palliativpflege"

Bitte fragen Sie Ihre Krankenkasse, ob sie einen Vertrag mit dem Pflegedienst hat.

Krankenhaussuche mit Schwerpunkt "Fachübergreifende Sterbebegleitung"

Weitere Angebote zur Palliativversorgung in Ihrer Region finden Sie im Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.


Wer übernimmt die Kosten für eine palliative Versorgung?

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine palliative Versorgung. Für Privatversicherte besteht zwar kein genereller Anspruch für eine (spezialisierte) palliative Versorgung, in der Regel werden die Kosten jedoch von den privaten Versicherungsunternehmen übernommen. Palliativpatienten müssen allerdings auch den für alle Versicherten gültigen Eigenanteil zu Medikamenten sowie zum stationären Krankenhausaufenthalt tragen.

Zu Hause oder im Pflegeheim

Die Kosten für die palliativmedizinische Versorgung durch den Haus- und/oder Facharzt werden von der Krankenkasse übernommen. Benötigen Sie eine zusätzliche häusliche Krankenpflege oder eine spezialisierte Palliativversorgung durch ein sogenanntes Palliative Care Team, muss eine ärztliche Verordnung vorliegen. Die Kosten werden dann von Ihrer Krankenkasse übernommen. Wenn Sie einen zusätzlichen Pflegebedarf haben, etwa im Bereich der Körperpflege oder im Haushalt, werden die Leistungen eines Pflegedienstes gemäß der Pflegestufe von der Pflegekasse übernommen. Nehmen Sie weitere Angebote wie palliativmedizinische Tageskliniken in Anspruch, entstehen Ihnen dadurch keine zusätzlichen Kosten.

Im Hospiz

Bei einer Versorgung im Hospiz entstehen Ihnen keine zusätzlichen Kosten. Es werden 95% der Kosten von der Krankenkasse getragen, die restlichen 5% werden durch die Einrichtungen mittels Spenden und Ehrenamt aufgebracht.

Im Krankenhaus

Der Aufenthalt in einem Krankenhaus wird von der Krankenkasse getragen. Sie müssen allerdings den für alle Versicherten gültigen Eigenanteil zum Krankenhausaufenthalt tragen. Dies sind 10 Euro pro Tag.

Seelsorgerische Betreuung von Angehörigen

Die Unterstüzung der Angehörigen ist ein Teil der palliativen Versorgung des Patienten. Darüber hinaus ist eine Verordnung psychotherapeutischer Unterstützung durch Ihren Arzt in der Regel ebenfalls möglich. Bei Zustimmung Ihrer Krankenkasse entstehen Ihnen keine Kosten.


Wo gibt es kostenlose Beratung zum Thema Betreuung und Pflege bei der Sterbebegleitung?

Die erste Anlaufstelle sollte Ihr Hausarzt sein. Auch Ihre Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, Sie und Ihre Angehörigen zu beraten. Sie unterstützen beispielsweise mit einer Übersicht regional verfügbarer Beratungs- und Versorgungsangebote und helfen bei der Kontaktaufnahme zu Einrichtungen. Darüber hinaus beraten die folgenden Institutionen Sie kostenlos:

 

Im Informationsdokument finden Sie Fakten zum Thema Palliativversorgung zusammengefasst:


Wie kann ich medizinische Maßnahmen am Lebensende im Voraus planen?

Eine Einwilligung des Patienten ist Voraussetzung für jede medizinische Behandlung oder pflegerische Leistung. Damit haben Sie das Recht, über alle Vor- und Nachteile einer Behandlung aufgeklärt zu werden. Genauso dürfen Sie Ängste und Unsicherheiten sowie Bedürfnisse und Erwartungen äußern. Für den Fall, dass Sie nicht mehr für sich entscheiden können, können Sie den letzten Lebensabschnitt im Voraus planen. Dafür stehen verschiedene rechtsgültige Dokumente zur Verfügung:

  • Patientenverfügung: Es werden Fragen der medizinischen Versorgung in der letzten Lebensphase geregelt, insbesondere ob und in welcher Form lebensverlängernde Maßnahmen ergriffen werden sollen. Die Patientenverfügung tritt in Kraft, wenn Sie als Patient keine eigenverantwortliche Entscheidung mehr treffen können oder nicht mehr nach Ihrem Willen befragt werden können.
  • Vorsorgevollmacht: Damit bevollmächtigen Sie eine Person Ihres Vertrauens, bestimmte Angelegenheiten für Sie zu regeln, wenn Sie dazu selbst nicht mehr in der Lage sind. Das betrifft vor allem die Vertretung beim Abschluss von Geschäften. Ohne eine Vorsorgevollmacht wird im Bedarfsfall ein gerichtliches Betreuungsverfahren eingeleitet, auch Angehörige können dann gerichtlich als Betreuer bestellt werden.
  • Betreuungsverfügung: Hiermit können Sie Wünsche an den Betreuer äußern, falls ein Betreuungsverfahren eingeleitet werden muss. Darunter fallen Wünsche wie die Art der Versorgung oder die konkrete Benennung einer Einrichtung.

Weitere Informationen und Formulare finden Sie auf den Seiten des Bundesjustizministeriums


Wussten Sie schon ...

Der Faktencheck "Palliativversorgung“ hat erstmals systematisch untersucht, wie die palliativmedizinische Versorgung in Deutschland tatsächlich aussieht. Dabei zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede.

Zu den Studienergebnissen des Faktenchecks