Illustration Prostata-Entfernung - Postatektomie

Ist die Prostatektomie bei Prostatakrebs sinnvoll?

Hier finden Sie wissenschaftlich gesicherte Fakten für Ihre Entscheidung.

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Entfernung der Prostata bei fortgeschrittenem Tumor erhöht Überlebens-Chance

Die Krebserkrankung tritt hauptsächlich bei älteren Männern auf. In vielen Fällen wächst der Tumor langsam. Welche Behandlung bei Prostatakrebs infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren – unter anderem von der Aggressivität, der Größe und der Tumorentwicklungsstufe – ab. Studien zeigen, dass Männer deren Diagnose auf eine mittlere bis hohe Tumorentwicklungsstufe hinweist, durch eine Entfernung der Prostata (Prostatektomie), einen Überlebensvorteil haben. Die Entfernung der Prostata kann den Krebs aber nicht immer stoppen. Zudem können schwere Nebenwirkungen wie Erektionsstörungen und Inkontinenz verursacht werden.

Nutzen einer Prostata-Entfernung (Prostatektomie) bei Prostatakrebs

1. Wie viele Männer starben insgesamt in einem Zeitraum von 18 Jahren?

Grafik Prostata-Entfernung

2. Wie viele Männer starben insgesamt in einem Zeitraum von 18 Jahren an Prostatakrebs?

 Grafik Prostata-Entfernung

Risiken einer Prostata-Entfernung (Prostatektomie) bei Prostatakrebs

1. Wie viele Männer berichteten, dass bei ihnen nach 2 bis 3 Jahren Inkontinenz auftrat?

Grafik Prostata-Entfernung

2. Wie viele Männer berichteten, dass bei ihnen nach mehr als 7 Jahren Inkontinenz auftrat?

Grafik Prostata-Entfernung

3. Wie viele Männer berichteten, dass bei ihnen nach 2 bis 3 Jahren Erektionsstörungen auftraten?

Grafik Prostata-Entfernung

4. Wie viele Männer berichteten, dass bei ihnen nach mehr als 7 Jahren Erektionsstörungen auftraten?

Nach 7 Jahren berichteten in beiden Gruppen etwa 80 bis 84 Männer von Erektionsstörungen.

Erklärende Informationen zum Verständnis der Grafiken

Diese Faktenbox bezieht Ergebnisse der sogenannten Scandinavian Prostate Cancer Group Studie (Bill-Axelson et al., 2014) ein. In der Studie wurden 695 Männer mit Prostatakrebs zwischen 1989 und 1999 entweder einer radikalen Prostatektomie oder dem Beobachten und Abwarten zugewiesen.

Die Faktenbox richtet sich an Männer, deren Diagnose auf eine mittlere bis hohe Tumorentwicklungsstufe hinweist, denn die nachfolgenden Zahlen stammen aus einer Zeit, bevor Früherkennung auf Prostatakrebs (PSA-Test) routinemäßig angeboten wurde. Durch die heute weit verbreitete Früherkennungsuntersuchung werden häufiger Tumore mit niedriger Tumorentwicklungsstufe entdeckt.

Was bedeutet Beobachten und Abwarten?
Beobachten und Abwarten stellt eine konservative, nicht chirurgische Behandlungsmöglichkeit dar. Hierbei beobachtet der Arzt in regelmäßigen Abständen die Entwicklung des Tumors. Bei einer negativen Entwicklung des Tumors kann der Arzt eine medikamentöse oder chirurgische Weiterbehandlung einleiten.

Hinweis: Die Zahlen in den Grafiken beziehen sich überwiegend auf Männer, die eine mittlere bis hohe Tumorentwicklungsstufe aufwiesen.


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Weitere Informationen zum Thema Prostata-Entfernung (Prostatektomie) bei Prostatakrebs

Was ist das Ziel einer Prostatektomie?

Das Ziel der Prostatektomie ist die vollständige Entfernung des Prostatakrebstumors, um dadurch Lebensqualität und Lebensdauer positiv zu beeinflussen.

Für wen kommt eine Operation in Frage?

Eine Operation kommt für Männer unter 75 Jahren mit einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren und einem örtlich begrenzt diagnostizierten Prostatakrebs in Frage.

Wie wird die radikale Prostatektomie durchgeführt?

Bei einer radikalen Prostatektomie wird die Vorsteherdrüse (Prostata) vollständig chirurgisch entfernt. Der Eingriff kann z. B. durch einen Einschnitt zwischen Nabel und Schambein (retropubisch), durch minimale Öffnungen an der Bauchdecke (laparoskopisch) oder durch einen Einschnitt zwischen Hodensack und Anus (perineal) durchgeführt werden. Die Operation wird durchgeführt, wenn sich der Krebs auf die Vorsteherdrüse beschränkt (lokalisierter Prostatakrebs).

Was empfehlen aktuelle medizinische Leitlinien?

Mehrere medizinische Leitlinien stimmen darin überein, dass Männer mit niedriger Tumorentwicklungsstufe die Behandlungsmöglichkeit des Beobachtens und Abwartens in Betracht ziehen sollten. Des Weiteren kann keine der vorhandenen Alternativen pauschal den anderen vorgezogen werden. In Deutschland werden die medizinischen S3-Leitlinien aktuell von der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) überarbeitet. Die aktualisierten Leitlinien für Patienten finden Sie auf den Serviceseiten der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Welche anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Neben den vorgestellten Behandlungsmethoden existieren weitere Möglichkeiten der Behandlung lokal begrenzten Prostatakrebses. Hierzu zählen beispielsweise Bestrahlung, Hochfokussierter Ultraschall (HIFU), Hormontherapie oder Kryotherapie. Welche Behandlung die bestmögliche für den einzelnen Patienten ist, hängt dabei von dessen Risikofaktoren sowie seiner Lebenserwartung und seinen persönlichen Präferenzen ab. Daher sollten der mögliche Nutzen und die möglichen Risiken der einzelnen Behandlungsmethoden ausführlich mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.

Was sollte noch beachtet werden?

Die eingeschränkte Datenlage einer einzelnen Langzeituntersuchung aus der Zeit vor der Verbreitung von Früherkennungsuntersuchungen deutet darauf hin, dass eine chirurgische Behandlung dem Beobachten und Abwarten in Fällen mit mittleren bis hohen Tumorentwicklungsstadien überlegen ist. Nach einem Zeitraum von 18 Jahren lagen die Zahl der prostatakrebsspezifischen Todesfälle sowie die allgemeine Sterblichkeitsrate in der Gruppe der Männer mit Prostatektomie unter den Zahlen der Männer, die beobachtend abgewartet hatten. Es besteht jedoch ein erhöhtes Risiko zur Inkontinenz und zu Erektionsstörungen in den ersten Jahren nach einer Prostatektomie.


Über diese Faktenbox

Quellen

[1] Bill-Axelson, A., Holmberg, L., Garmo, H., Rider, J. R., Taari, K., Busch, C., . . . Johansson, J.-E. (2014). Radical prostatectomy or watchful waiting in early prostate cancer. The New England Journal of Medicine, 370(10), 932-942. doi: 10.1056/NEJMoa1311593. [2] Hegarty, J., Beirne, P. V., Walsh, E., Comber, H., Fitzgerald, T., & Wallace Kazer, M. (2010). Radical prostatectomy versus watchful waiting for prostate cancer. Cochrane Database Syst Rev(11), CD006590. doi: 10.1002/14651858.CD006590.pub2. [3] Johansson, E., Bill-Axelson, A., Holmberg, L., Onelov, E., Johansson, J.-E., Steineck, G., & Scandinavian Prostate Cancer Group Study. (2009). Time, symptom burden, androgen deprivation, and self-assessed quality of life after radical prostatectomy or watchful waiting: the randomized Scandinavian Prostate Cancer Group Study Number 4 (SPCG-4) Clinical Trial. European Urology, 55(2), 422-432. doi: 10.1016/j.eururo.2008.08.054. [4] Johansson, E., Steineck, G., Holmberg, L., Johansson, J.-E., Nyberg, T., Ruutu, M., & Bill-Axelson, A. (2011). Long-term quality-of-life outcomes after radical prostatectomy or watchful waiting: the Scandinavian Prostate Cancer Group-4 randomised trial. The Lancet Oncology, 12(9), 891-899. doi: 10.1016/S1470-2045(11)70162-0. [5] Sun, F., Oyesanmi, O., Fontanarosa, J., Reston, J., Guzzo, T., & Schoelles, K. (2014). Therapies for Clinically Localized Prostate Cancer: Update of a 2008 Systematic Review. Comparative Effectiveness Review No. 146. Rockville, MD: Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ).

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut erstellt.

Zuletzt aktualisiert: Juni 2015
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