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Hilft eine Kniespülung und Knorpelglättung bei Kniearthrose?

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Kniegelenkspiegelung bei Kniegelenk-Arthrose: Kein Nutzen für Patienten

Bei einer Kniegelenk-Arthroskopie wird das Kniegelenk gespiegelt und mit Kochsalzlösung gespült; gegebenenfalls werden auch krankhaft veränderte Meniskus- oder Knorpelanteile abgetragen oder geglättet. Diese Maßnahmen sollen Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Studien zeigen jedoch, dass Patienten mit und ohne Arthroskopie die Beweglichkeit des Knies und Knie-Schmerzen gleich bewerten – die OP also keinen Vorteil brachte, jedoch bei wenigen Patienten Nebenwirkungen verursachte.

Andere Behandlungsoptionen der Kniegelenk-Arthrose sind die Veränderung des Lebensstils (zum Beispiel Sport, Gewichtsabnahme), äußerliche Behandlungen (zum Beispiel Physiotherapie), medikamentöse Behandlungen und Injektionen sowie das Einsetzen einer Gesamtknieprothese.

Nutzen einer Arthroskopie bei Kniearthrose/-schmerzen

1. Wie viele Sekunden brauchten Patienten, um so schnell wie möglich 30 Meter zu laufen und eine Treppe hinauf und wieder herunter zu steigen?

Grafik Kniegelenkspiegelung
Weniger Sekunden = bessere Funktionalität

Zwei Jahre nach der Operation brauchten Patienten mit einer Schein-Operation im Durchschnitt 48 Sekunden, um eine Strecke von 30 Metern zu gehen und eine Treppe so schnell wie möglich hinauf- und wieder herunter zu steigen. Patienten mit Arthroskopie konnten nicht schneller gehen und benötigten für die gleiche Aufgabe im Durchschnitt 53 Sekunden. Der Unterschied zwischen den Gruppen ist zu klein, um daraus zu schließen, dass die Operation sie verlangsamte. Doch ist eindeutig, dass die Operation keinen Nutzen brachte.

2. Wie beurteilen Patienten die Knieschmerzen und die Funktionalität des Knies (z. B. laufen und beugen)?

Grafik Kniegelenkspiegelung
Bewertung von Schmerz und Funktionalität des Knies auf einer Skala von 0 (gut) bis 100 (schlecht).

Es gab keine Unterschiede in der Schmerz- und Funktionalitätsbewertung zwischen der Gruppe mit Schein-Operation und der Gruppe mit Arthroskopie. Jede Gruppe bewertete ihre Schmerzen und Funktionalität im Durchschnitt mit ungefähr 50 von 100 Punkten.


Risiken einer Arthroskopie bei Kniearthrose/-schmerzen

1. Wie viele Patienten leiden aufgrund der Operation unter einem Blutgerinnsel?

Grafik Kniegelenkspiegelung

2. Wie viele Patienten leiden aufgrund der Operation unter einer Infektion des Knies bzw. der Wunde des Eingriffs?

Grafik Kniegelenkspiegelung

Es ist bekannt, dass Arthroskopien mit dem Risiko von Komplikationen (beispielsweise Blutgerinnsel oder Gelenkinfektionen) in Verbindung gebracht werden, aber es besteht eine gewisse Unsicherheit, wie viele Menschen genau Komplikationen erleben. Die Zahlen für die Risiken sind einer kürzlich erschienenen Überblicksarbeit zu Studien entnommen, die Arthroskopie-Prozeduren mit nicht-chirurgischen Maßnahmen (z. B. Scheineingriffe oder körperliche Übungen) zur Behandlung verschiedener krankheitswertiger Knieprobleme verglichen. Das heißt, die Zahlen beziehen sich nicht nur auf Patienten mit Arthrose.

Erklärende Informationen zum Verständnis der Grafiken

Nutzen

Die Zahlen zum Nutzen einer Kniegelenkspiegelung sind durchschnittliche Bewertungen des Schmerzniveaus und der Funktionalität vor und nach Kniegelenkspiegelung bei Arthrose. Die Ergebnisse wurden bis zu zwei Jahren nach der Operation erfasst. Sie beruhen auf einer Studie an 180 Patienten, bei denen entweder eine arthroskopische Lavage (Ausspülung von Knorpel-Partikeln oder gerissenem Gewebe aus dem Kniegelenk), ein arthroskopisches Debridement (Ausspülung und mechanische Entfernung von losem oder gerissenem Gewebe) oder eine Placebo-/Schein-Operation durchgeführt wurde. Bei der Schein-Operation wurde den Patienten ein kleiner Schnitt zugefügt und die Operation nur simuliert. Die Ergebnisse entsprechen auch den Ergebnissen anderer Studien und spiegeln die derzeit beste verfügbare Evidenz wider.

Risiken
Die Zahlen für die Risiken basieren auf einer kürzlich erschienenen Überblicksarbeit zu Studien, die Arthroskopie-Prozeduren mit nicht-chirurgischen Maßnahmen zur Behandlung verschiedener krankheitswertiger Knieprobleme verglichen.

Es ist bekannt, dass Arthroskopien mit dem Risiko von Komplikationen (bspw. Blutgerinnsel oder Gelenkinfektionen) in Verbindung gebracht werden, aber es besteht eine gewisse Unsicherheit, wie viele Menschen genau Komplikationen erleben. Die Zahlen für die Risiken sind einer kürzlich erschienenen Überblicksarbeit zu Studien entnommen, die Arthroskopie-Prozeduren mit nicht-chirurgischen Maßnahmen (z. B. Scheineingriffe oder körperliche Übungen) zur Behandlung verschiedener krankheitswertiger Knieprobleme verglichen. Das heißt, die Zahlen beziehen sich nicht nur auf Patienten mit Arthrose.

Nutzen und Risiken
Die hier dargestellten Zahlen basieren auf einer einzigen Studie mit 180 Patienten, die sich einem von drei arthroskopischen Eingriffen unterzogen haben. Die Zahlen, die in dieser Studie berichtet wurden, stimmen mit den Ergebnissen einer systematischen Überprüfung der Cochrane Collaboration von sieben Studien überein, welche Gelenk-Lavagen oder arthroskopische Eingriffe mit und ohne Kontrollgruppe verglichen haben.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die angegebenen Zahlen keine endgültige Bewertung sind, sondern die Größenordnung der Effekte auf Grund der besten derzeit verfügbaren Evidenz darstellen.


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Weitere Informationen zum Thema Kniegelenkspiegelung bei Arthrose

Was passiert bei einer Kniegelenkspiegelung?

Bei einer Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) werden chirurgisch kleine Schläuche in das Knie eingesetzt, um Flüssigkeit zu injizieren, die loses Gewebe und Knorpel-Partikel aus dem Kniegelenk herausspülen soll. Wird die Arthroskopie ohne die mechanische Entfernung von losem oder gerissenem Gewebe durchgeführt, spricht man von "arthroskopischer Lavage", wird eine mechanische Entfernung vorgenommen, von "arthroskopischem Debridement".

Für wen kommt die Kniegelenkspiegelung in Frage?

Sie kommt für Erwachsene infrage, die auf Grund von Arthrose unter starken Schmerzen und Gelenksbeschwerden leiden.

Kniearthroskopie – Spieglein, Spieglein...

Eine Gelenkspiegelung ist kein kleiner Eingriff, sondern eine Operation mit Risiken und Nebenwirkungen. Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen erklärt, warum die Entscheidung nicht übers Knie gebrochen werden sollte.

Was wird in den Leitlinien empfohlen?

Aktuelle medizinische Leitlinien empfehlen Gelenkspiegelungen nicht als Behandlung für Arthrose des Kniegelenks, außer die betreffende Person hat eine klare Krankheitsgeschichte mechanischer Blockaden (das Knie "gibt nicht nach”) oder Röntgenaufnahmen lassen vermuten, dass sich lose Teile im Kniegelenk befinden.

Welche anderen Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Nicht-operative Behandlungen, darunter Veränderung des Lebensstils (z. B. Sport, Gewichtsabnahme), äußerliche Behandlungen (z. B. Physiotherapie), medikamentöse Behandlungen und Steroidinjektionen. Einsetzen einer Gesamtknieprothese.


Tipps für das Arztgespräch bei Knieschmerzen

Bei Schmerzen im Knie sollten Patient und Arzt gemeinsam über Behandlungsmöglichkeiten sprechen. Unsere Checkliste hilft, das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten.


Über diese Faktenbox

Quellen

[1] Moseley, J. B., O'Malley, K., Petersen, N. J., Menke, T. J., et al., (2002). A controlled trial of arthroscopic surgery for osteoarthritis of the knee. New England Journal of Medicine, 347(2), 81-88. [2] National Collaborating Centre for Chronic Conditions, Osteoarthritis: National clinical guideline for care and management in adults. 2008, London: Royal College of Physicians of London. [3] Reichenbach, S., Rutjes, A. W. S., Nuesch, E., Trelle, S., & Juni, P. (2010). Joint lavage for osteoarthritis of the knee (Review). Cochrane Database of Systematic Reviews(5). [4] Thorlund, JB, Juhl CB, Roos, EM & Lohmander LS. (2015). Arthroscopic surgery for degenerative knee: systematic review and meta-analysis of benefits and harms. BMJ, 350:h2747.

Haftungshinweis

Diese Faktenbox wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Dennoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte geben. Gleiches gilt insbesondere für die Inhalte externer Links. Insbesondere ersetzt die Faktenbox keinen Arztbesuch oder eine ärztliche Beratung und Untersuchung. Die in den Faktenboxen veröffentlichten Informationen sollen Ihnen als Unterstützung für die Vorbereitung des Arztgespräches dienen.

Diese Faktenbox wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut erstellt.

Zuletzt aktualisiert: Januar 2016
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